Tagesecho Prager Hauptbahnhof hat neues Gewand und modernes Shopping Center
Der Prager Hauptbahnhof erstrahlt seit Donnerstag in einem neuen Gewand. In Anwesenheit der Präsidenten Tschechiens und Italiens, Václav Klaus und Giorgio Napolitano, wurde kurz nach 12 Uhr die neue Einkaufszone des Bahnhofs feierlich eröffnet. Damit wurde nach rund fünfjähriger Bauzeit die Sanierung des Bahnhofs zu 90 Prozent abgeschlossen. Die verbleibenden zehn Prozent betreffen ein historisch wertvolles Gebäude, über dessen spätere Nutzung derzeit noch verhandelt wird.
Petr Žaluda (Generaldirektor der Tschechischen Bahnen), Václav Klaus, Giorgio Napolitano und Mauro Moretti haben die neue Einkaufszone des Hauptbahnhofs feierlich eröffnet (Foto: ČTK)
Seit 2006 wurde der Prager Hauptbahnhof einer Schönheitskur unterzogen.
Die italienische Investitionsgesellschaft „Grandi Stazioni“, Meister
ihres Faches bei der Umgestaltung von Bahnhöfen, nahm sich dieser Aufgabe
an. Im Juni 2009 hat die Firma zunächst den Nordflügel und im Dezember
vergangenen Jahres dann den Südflügel in einem neuen Antlitz übergeben.
Jetzt folgte der völlig neu konzipierte Teil des Bahnhofs, denn als
Einkaufscenter war er in seiner Vergangenheit noch nicht bekannt. Nach dem
Vorbild der Bahnhöfe in Rom, Berlin oder Leipzig ist nun also auch der
Prager Hauptbahnhof teilweise zu einem Shopping Center modifiziert. Warum,
dazu sagt der Sprecher von „Grandi Stazioni“, Martin Hamšík:
Martin Hamšík
„Die Funktion ändert sich, und zwar auch aus dem Grund, dass die
Mehrzahl der Hauptbahnhöfe in großen Städten im Stadtzentrum liegt. An
Orten also, wo es sehr schwierig ist, etwas Neues und Großes zu errichten.
Deshalb nutzt man die Räume, die bisher in wirtschaftlicher Hinsicht kaum
genutzt wurden. Durch ihre Umgestaltung schafft man große Möglichkeiten
sowohl für Investoren als auch die Reisenden und andere Gäste, denen man
mehr Komfort anbietet.“
Hauptbahnhof in Prag (Foto: ČTK)
Auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern sind jetzt viele neue
Geschäfte und Restaurants entstanden. Sie haben die heruntergekommenen
Kioske abgelöst und damit auch ein weiteres Problem beseitigt:
„Wenn ein Bahnhof attraktiv aussieht und es schafft, Reisende und weitere Leute anzuziehen, dann entledigt man sich damit auch vieler Probleme. Obdachlose oder andere sozial am Rande lebende Menschen gehen meist an Orte, an denen es nicht gerade sauber ist und die vernachlässigt werden“, sagt der Generaldirektor von „Grandi Stazioni“, Fabio Battaggia.
Zdeněk Lukeš
Sein Unternehmen hat in die Umgestaltung des Bahnhofs umgerechnet rund 45
Millionen Euro investiert. Im Gegenzug dafür darf die italienische Firma
die Bahnhofsflächen laut eines Vertrages mit den Tschechischen Bahnen 30
Jahre lang vermieten. Eine Rechnung, die aufzugehen scheint:
„Es wird an der Entwicklung des Immobilienmarktes liegen, aber wir rechnen damit, dass sich unsere Investitionen binnen 10 bis 15 Jahren amortisieren“, zeigt Martin Hamšík optimistisch.
Sehr zufrieden über die von der italienischen Investitionsgesellschaft in die Hand genommene Umgestaltung des Prager Hauptbahnhofs äußerte sich auch der Architektur-Historiker Zdeněk Lukeš:
Fantas Café
„Der neugestaltete Bahnhof gefällt mir. Grandi Stazioni hat große
Erfahrungen mit der Sanierung von Bahnhöfen. Was die Firma bisher
geleistet hat, ist großartig, auch wenn sich die Umbauarbeiten etwas
hinziehen. Ich freue mich aber vor allem auf die Sanierung des alten
Jugendstil-Bahnhofs vom Architekten Josef Fanta.“
Das Empfangsgebäude des alten Jugendstil-Bahnhofs soll bis zum Ende des Jahres 2013 renoviert sein. Das Gebäude soll später einmal ein Café, einen Ausstellungssaal oder ein Geschäft einer Weltfirma beherbergen. Wer das historische Gebäude nutzen darf, wird in den nächsten Monaten entschieden. Die Verhandlungen darüber laufen noch, hieß es.








