Tagesecho "Prag - Wien - Pressburg in der Diplomatie 1920 - 2005." Eine Ausstellung über die Details der Geschichte

02-02-2006 16:12 | Gerald Schubert

"Prag - Wien - Pressburg in der Diplomatie 1920 - 2005." So heißt eine Ausstellung, die voriges Jahr im Österreichischen Staatsarchiv gezeigt wurde und seit Mittwoch auch in Prag zu sehen ist. Gerald Schubert war bei der Eröffnung.

Download: MP3

Nur sehr selten verlassen sie die Ruhe und Sicherheit der Tresore, heißt es im Ausstellungskatalog. Gemeint sind die mehr als 230 Exponate - meist Fotos und Originaldokumente - die aus dem Österreichischen Staatsarchiv sowie aus den Archiven des tschechischen und des slowakischen Außenministeriums zusammengetragen wurden. Es sind Blitzlichter auf die Geschichte der Diplomatie zwischen der Republik Österreich und der Tschechoslowakei respektive ihrer beiden Nachfolgestaaten.

"Ich glaube, es ist eine hochinteressante Ausstellung, die den mitteleuropäischen Raum in seiner geschichtlichen Bedeutung darstellt, und die alle Höhen und Tiefen der gemeinsamen vergangenen Jahrzehnte in sehr eindrucksvoller Weise dokumentiert", sagt Margot Klestil-Löffler, die österreichische Botschafterin in Prag.

Jaroslav Basta und Margot Klestil-LöfflerJaroslav Basta und Margot Klestil-Löffler Berichte, Beglaubigungsschreiben, diplomatische Noten: Ausstellungsobjekte, die zunächst den Anschein erwecken könnten, sich vor allem an ein Fachpublikum zu wenden.

"Es sieht natürlich fachspezifisch aus. Aber ich glaube, es ist für jedermann interessant, sich auch einmal mit den Details dieser Geschichte auseinander zu setzen. Man wird dadurch auch die Gegenwart und die Zukunft besser verstehen lernen", so die Botschafterin.

Die Ausstellung erinnert etwa an das Jahr 1938, als zahlreiche Österreicher vor der Naziherrschaft in ihrer Heimat flohen und vorübergehend in der damals noch demokratischen Tschechoslowakei Unterschlupf fanden. Oder an die Emigrationswelle des Jahres 1968, als umgekehrt viele Tschechen in Österreich eine neue Heimat fanden, auf der Flucht vor dem kommunistischen Regime. Jaroslav Basta, stellvertretender tschechischer Außenminister:

"Während Prag, das westlich von Wien liegt, immer stärker die Attribute des Ostens annahm, wurde Wien, das östlich von Prag liegt, für die Tschechen und Slowaken immer mehr zum Symbol des Westens - zum Symbol für eine Chance, die ihnen selbst verwehrt geblieben war."

Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs und mit der Mitgliedschaft Tschechiens, Österreichs und der Slowakei in der Europäischen Union sind auch die diplomatischen Beziehungen in eine neue Phase getreten.

"Prag - Wien - Pressburg in der Diplomatie 1920 - 2005." Die Ausstellung läuft noch bis zum 24. Februar im Palais Toskana auf dem Prager Burgplatz (Hradcanske namesti 5).

Fotos: Gerald Schubert

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Möhrenanbau soll Arbeitslosigkeit bekämpfen

Bára Procházková

Arbeitslosigkeit - ein Gespenst unserer Gesellschaften, denn zu viele haben eine direkte Erfahrung mit diesem Phänomen. Die Politik...mehr...

12. Jahrgang des Wettbewerbs "Das beste Dorf des Jahres" feierlich ausgerufen

Jitka Mládková

Am Dienstag dieser Woche ist in Prag der bereits 12. Jahrgang des Wettbewerbs "Das beste Dorf des Jahres" feierlich ausgerufen worden....mehr...

Junge Künstler machen auf die Verbrechen des Kommunismus aufmerksam

Martina Schneibergová

An das wahre Antlitz des Kommunismus zu erinnern ist das Ziel eines literarisch-musikalischen Abends, der am 20. Februar in Prag stattfinden wird....mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch