Tagesecho Prag und Bratislava arbeiten an der Bekämpfung der Migration der Roma zusammen

01-10-2003 | Marketa Maurova

Die Migration der Roma. Ein Problem, über das in den letzen Jahren vor allem im Zusammenhang mit dem Exodus der tschechischen Roma nach Westen berichtet wurde. Doch die Tschechische Republik ist auch ein Zielland der wandernden Roma, und zwar der aus der Slowakei. Markéta Maurová berichtet.

Download: RealAudio

Vizepremiere Pal Csaky und Petr MaresVizepremiere Pal Csaky und Petr Mares Eine gemeinsame tschechisch-slowakische Kommission wird sich künftig mit der Migration der slowakischen Roma nach Tschechien befassen. Auf ihre Konstituierung haben sich die Vizepremiers der beiden Länder an diesem Dienstag geeinigt. Wie sich das Leben der Roma in der Slowakei von dem in Tschechien unterscheidet, darüber informiert Roman Krystof von der Internationalen Organisation für Migration:

"Ein Phänomen, das es in Tschechien nicht gibt, sind die Roma-Kolonien in der Slowakei. Es handelt sich um Dorfkolonien, von denen manche ziemlich entsetzlich aussehen, mit Katen bzw. Häusern aus ungebrannten Ziegeln, meistens ohne Strom und Trinkwasser. In solchen Gemeinden leben etwa 140.000 slowakische Roma. Eine solche Lage herrscht in der Tschechischen Republik doch eher nicht."

Nach Untersuchungen der Internationalen Organisation für Migration halten sich gegenwärtig an die 10.000 slowakische Roma auf tschechischem Gebiet auf. Die Möglichkeiten für die Festlegung der genauen Anzahl sind jedoch beschränkt. Der tschechische Vizepremier Petr Mares dazu:

Roma in der SlowakeiRoma in der Slowakei "Wir bewegen uns auf diesem Feld natürlich ziemlich unsicher, denn die standardgemäßen statistischen Angaben können uns nicht besonders helfen. Der letzten Volkszählung zufolge haben wir in der Tschechischen Republik im Grunde keine Roma-Bürger. Das bedeutet, dass wir andere Wege suchen müssen. Ich will jedoch versichern, dass dabei in keinem Fall zu Menschenrechtsverletzungen kommen wird."

Die Lage erfordere keineswegs außerordentliche Schritte, wie etwa eine Verschärfung der Regeln für den Grenzverkehr, der sehr liberal ist, betont Mares. Nach den Ursachen der Roma-Migration fragte Radio Prag den slowakischen Vizepremier Pal Csaky. Trägt die Reform der öffentlichen Finanzen in der Slowakei daran Schuld?

"Diese scheint nicht die Hauptursache zu sein. Es gibt dort eher andere Aspekte wie die Nutzung bestimmter Möglichkeiten in der Tschechischen Republik. Dies ist gerade das Feld, auf dem wir zusammenarbeiten müssen, um diese Motivation zu beseitigen. Wir haben vor zwei Jahren ein ähnliches Problem mit Belgien und den nordischen Staaten gehabt und es gelang uns, diesen Prozess zu begrenzen. Ich bin überzeugt, dass ähnliche Schritte auch hinsichtlich der Tschechischen Republik ihre Früchte bringen werden."

Artikel bookmarken

Nicht verpassen

In dieser Ausgabe finden Sie auch

Tschechien: Ab 1. 10. fallen Energiepreise - Zug fahren wird teurer

Lothar Martin

In Tschechien müssen sich die hier lebenden Bürger in der Regel nicht nur jährlich, sondern mitunter vierteljährlich auf sich verändernde...mehr...

Irakischer Geistlicher beschuldigt das tschechische Feldlazarett der Beleidigung des Islams

Dagmar Keberlova

Einer der geistlichen Führer im südirakischen Basra verlangt eine Entschuldigung von den Regierungen der Staaten, die im Irak aktiv...mehr...

In Prag beginnt bislang größter Prozess gegen ehemalige Geheimdienst-Funktionäre

Silja Schultheis

14 Jahre nach der politischen Wende hat am Montag der bislang größte Prozess gegen ehemalige hohe Funktionäre des kommunistischen Geheimdienstes...mehr...

Ähnliche Artikel

mehr...

Rubrikenarchiv

mehr...

Aktuelle Sendung in Deutsch