Tagesecho Prag – die zweisprachige Literaturstadt
Prag war schon immer eine Stadt in der verschiedene Kulturen zusammenkommen. Von der österreichischen Monarchie beeinflusst und von einer großen deutschen Gemeinde geprägt, entstand hier ein einzigartiges Flair, eine Mischung der Nationen. Doch das Erbe dieser Zeit gerät immer mehr in Vergessenheit. Auf einer dreitägigen Konferenz haben der Adalbert-Stifter-Verein, das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren und das Goethe Institut in Prag, an die seinerzeit zweisprachige Literaturstadt Prag erinnert. Eva Schermutzki war dabei.
Lange Zeit wurden Deutsch und Tschechisch in Prag gleichberechtigt
gesprochen und gelebt. Als Tschechisch zur offiziellen Staatssprache
erklärt wurde, verschwand Deutsch immer mehr aus dem öffentlichen Leben.
Doch die beiden Sprachen haben sich immer gegenseitig beeinflusst. Vor
allem in der Literatur fand ein reger Austausch statt. Über dieses
Phänomen diskutierten auf der Tagung mit dem Titel „Prag, 1900 bis 1945,
Literaturstadt zweier Sprachen“, Germanisten, Historiker und
Sprachforscher. Unter ihnen der Dozent Volker Mohn, der gerade noch an
seiner an seiner Promotionsarbeit schreibt. Ein weiterer Teilnehmer, der
Germanist Kurt Krolop, blickt hingegen schon auf unzählige
Veröffentlichungen und ein bewegtes Leben zurück. Der Diskurs zwischen
den Generationen war von den Veranstaltern durchaus erwünscht, wie Herr
Becher vom Adalbert-Stifter-Verein berichtet:
„Das war uns ein besonderes Anliegen, dass wir auch jüngeren Wissenschaftlern, eine Chance geben hier ihre Arbeiten mit einzubringen. Ich halte das für sehr, sehr fruchtbar. Gerade weil die Jüngeren teilweise einen anderen Blickwinkel haben, eine andere Methodik anwenden. Da gibt es natürlich gewisse Reibungen. Das sind aber keine negativen Reibungen, sondern die sind für die Diskussion ausgesprochen gut.“
Wo zwei Sprachen den Alltag prägen, treten auch immer wieder
Missverständnisse auf und unterschiedliche kulturelle Ansichten prallen
aufeinander. Es ist also wichtig zu vermitteln, zu erklären und auch zu
übersetzen. Diesen Menschen, den Vermittlern zwischen den Kulturen, widmet
der Adalbert-Stifter-Verein in München eine Ausstellung:
„Im Zentrum der Ausstellung werden die Mittler, also die Übersetzer stehen. Wir wollen in der Ausstellung Personen wie Pavel Eisner oder Milena Jesenska stärker berücksichtigen. Bisher hat man immer nur über die Schriftsteller gesprochen und die Übersetzer oft vergessen. Aber Übersetzer sind ja genau dort besonders wichtig, wo zwei Sprachen präsent sind.“
Die Ergebnisse und Referate der Tagung werden als Begleitband zu dieser Ausstellung erscheinen.
Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten des
Adalbert-Stifter-Vereins München www.asv-muen.de










