Tagesecho Polizei sprengt Kinderporno-Ring
Ein Jahr lang dauerten die Ermittlungen, gestern schlug die tschechische Polizei zu. Bei einer landesweiten Razzia wurden Hunderte Computer und Tausende Datenträger mit kinderpornografischem Material beschlagnahmt. Es ist der größte Schlag gegen die organisierte Kinderporno-Szene seit langem.
160 Verdächtige, 150 Hausdurchsuchungen und genau 342 beschlagnahmte
Computer mit Tausenden von kinderpornographischen Darstellungen. Das sind
die Kennzahlen der groß angelegten Polizeiaktion, die am Mittwoch nahezu
gleichzeitig in ganz Tschechien über die Bühne ging, wie die Leiterin der
Sittenabteilung der Prager Polizei, Alena Kolářová, erläutert
„Um fünf Uhr morgens haben alle Einheiten den Einsatzbefehl erhalten. Das war nötig, um möglichst viele Daten sicherzustellen. Wir wollten aber auch aufzeigen, dass Kinderpornografie in Tschechien leider kein Einzelfall ist. Dieser massive Schlag soll abschrecken und damit der Prävention dienen.“
Aktion „Vilma“ (Foto: www.policie.cz)
Über ein Jahr lang ermittelten die Behörden im Rahmen der Aktion
„Vilma“ gegen die mutmaßlichen Pädophilen. Ins Rollen gebracht hat
den Fall eine junge Frau, die auf dem Computer ihres Freundes
pornographische Bilder von Kindern entdeckt hatte und Anzeige erstattete:
„Im Vorjahr haben wir von einer Polizeiwache in Prag-Spořilov den Hinweis erhalten, dass eine Person eine größere Menge von pornographischen Darstellungen mit Minderjährigen auf dem Computer haben soll. Erste Nachforschungen haben ergeben, dass der Verdächtige diese Fotos auch weiter verbreitet. Im Verlauf der Ermittlungen sind wir dann nach und nach weiteren Mitgliedern dieses Kinderporno-Ringes auf die Spur gekommen.“
Die 160 Verdächtigen werden nun von der Polizei vernommen, gegen eine
Person gibt es bereits konkrete Verdachtsmomente. Dem Vernehmen nach soll
es sich um jenen Mann aus Prag handeln, der von seiner Freundin angezeigt
wurde. Nach Angaben des Innenministeriums sind unter den Verdächtigen auch
zwei Polizisten und ein ehemaliger Polizist.
Für den Besitz von Kinderpornographie drohen in Tschechien bis zu zwei Jahre Haft, auf die Weiterverbreitung stehen bis zu sechs Jahre Gefängnis. Hinweise auf Verbindungen ins Ausland habe man derzeit keine, betont die tschechische Polizei.









