Tagesecho Politologe Schuster: „Tschechien geht wegen Start-Vertrag in die Geschichte ein“

07-04-2010 16:59 | Till Janzer

Die letzten Vorbreitungen laufen: Am Donnerstagmittag unterzeichnen US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew in Prag den neuen Start-Vertrag. Beide Supermächte verpflichten sich mit der Unterschrift, ihre Atomwaffenarsenale um ein Drittel zu reduzieren. Mehr nun zu dem Ereignis in einem Interview mit Politologe und Radio-Prag-Mitarbeiter Robert Schuster.

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Robert, am Donnerstag unterzeichnen Barack Obama und Dimitri Medwedew den neuen Start-Vertrag in Prag. Welche Bedeutung hat es für Tschechien, dass dieses Ereignis hierzulande stattfindet?

Barack Obama (Foto: ČTK)Barack Obama (Foto: ČTK) „Für Tschechien hat das eine große Bedeutung, weil das Land und vor allem Prag damit in die Geschichte eingehen. Der Vertrag ist schließlich sehr wichtig. Er bringt die Abrüstungsgespräche voran und ist auch eine Vorstufe für weitere Gespräche. Auf der anderen Seite spielt eine Rolle, dass Barack Obama in Prag am 5. April 2009 seine große Abrüstungsrede gehalten hat. Und ein Jahr später kommt er in die tschechische Hauptstadt zurück und unterschreibt. Er kann damit zeigen: ´Ich habe meine damaliges Versprechen, meine damalige Vision verwirklicht oder zumindest den ersten Schritt in diese Richtung getan.´ Zudem lässt sich dies als eine gewisse Entschädigung dafür bezeichnen, dass die USA ein halbes Jahr nach der Prager Rede von Obama die Pläne zur Errichtung eines Raketenabwehrsystems, das zum Teil auch in Tschechien hätte stationiert werden sollen, aufgegeben haben. Sie hatten dabei im Stil nicht besonders glücklich gehandelt. Die Tschechen erfuhren dies nur so nebenbei in einem kurzen Telefonat – wenn auch von Obama selbst.“

Zum Vertrag selbst: Wie würdest Du ihn bewerten in seiner Reichweite?

Robert SchusterRobert Schuster „Er ist sicher ein erster Schritt zur weiteren Abrüstung. Wichtig ist, dass sich hier zwei Staaten geeinigt haben, die immer noch im Besitz des weltweit größten Atomwaffenarsenals sind. Doch als Frage steht im Raum, ob man die Überlegungen zu einer Reduzierung der strategischen Atomwaffen nicht auf weitere Länder ausweiten sollte. Denn der Atomklub von 1989, zu dem ja die USA, die Sowjetunion und ein bisschen Frankreich gehört haben, der besteht ja nicht mehr. Es sind andere Staaten hinzugekommen: vor allem China, aber auch Indien oder Pakistan – viele dieser Schwellenländer, die mittlerweile Atomwaffen haben oder zumindest danach streben. Bei diesen Schwellenländern steht ein Problem im Vordergrund: die Weitergabe von Nukleartechnologie.“

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