Pfandflaschen statt Ruhestand: Der neue Sverak-Film bricht Kassenrekorde

Flaschenbier ist der Hit. Das vermeldete kürzlich die tschechische Vereinigung der Bierbrauer. Mehr und mehr Tschechen holen sich ihr Bier aus dem Supermarkt und trinken lieber zu Hause als in der Kneipe. Seit zwei Wochen allerdings locken die Pfandflaschen ins Kino. Wie das? Pfandflaschen - Vratne Lahve - heißt der neue Film von Jan und Zdenek Sverak, der schon jetzt Rekorde an den tschechischen Kinokassen bricht. Annette Kraus hat sich den Streifen angesehen.

Jan (links) und Zdenek SverakJan (links) und Zdenek Sverak "Ich bin ein begrüßender Typ. Das ist ein Mann, der seine Frau gerne begrüßt. Aber um sich begrüßen zu können, muss man sich erst mal verabschieden."

Das ist die Meinung von Zdenek Sverak alias Josef Tkaloun - einem ehemaligen Lehrer, der mit "Ruhestand" nichts anzufangen weiß. Zuhause erwartet ihn nur die Langeweile einer 40jährigen Ehe, und darum verabschiedet sich Tkaloun lieber schnell wieder und sucht sich eine neue Herausforderung. Seine Karriere als Fahrradkurier in den Prager Straßen ist kurz und endet schmerzhaft. Tkaloun flüchtet sich in mehr oder weniger realistische erotische Träumereien, und landet schließlich im Supermarkt an der Rückgabetheke für Pfandflaschen. Ausgerechnet dort eröffnet sich ein ganz eigener Mikrokosmos. Zdenek Sverak, der auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt wie es zu der Idee kam:

"Eigentlich hat mich ein Junge dazu inspiriert, der im Prager Viertel Petriny die Flaschen entgegengenommen hat, ohne dabei ein Wort zu sprechen. Der war so unzugänglich, dass ich mich fast über ihn geärgert habe. Ich habe mir vorgestellt, wie es anders ausssehen könnte - zum Beispiel wenn ich selbst dort stehen würde."

Tkaloun nimmt Pfandflaschen zurück, aber er ist auch Sozialarbeiter, wenn er einer gebrechlichen Kundin die Einkäufe nach Hause bringt und seinem ständig unglücklich verliebten Kollegen hinter der Theke Ratschläge gibt. Und dann ist da auch noch die Familie samt misstrauischer Ehefrau und alleinerziehender Tochter... Der Film nimmt die Probleme aber von ihrer komischen Seite, ohne sich dabei über die Figuren lustig zu machen. Die größte Stärke liegt in den lebensnahen Dialogen. Eigentlich wollte der Regisseur Jan Sverak ja keinen Film mehr mit Vater Zdenek drehen, aber nun haben es die Sveraks, die mit Kolja schon den Oscar nach Tschechien geholt haben, doch noch einmal miteinander versucht. Zum letzen Mal? Dazu Jan Sverak:

"Ich denke, dass wir keinen Film mehr drehen werden, bei dem wir so viel Spaß haben. Und dass der Vater ein Drehbuch schreibt und selbst die Hauptrolle spielt, das wird es wohl nicht mehr geben. Aber - man soll niemals nie sagen."

Der Erfolg spricht jedenfalls für die Zusammenarbeit. Am ersten Wochenende sahen den Film schon mehr als 100.000 Menschen. Solch einen guten Start hat bislang noch kein tschechischer Film hingelegt. Gute Zeiten also für Pfandflaschen - im Kino und im Supermarkt sowieso.