Tagesecho Petr Polakovič auf den Spuren deutschböhmischer Auswanderer in Brasilien

09-02-2012 16:31 | Martina Schneibergová

Im Dorf Náhlov bei Ralsko in Nordböhmen gibt es seit einiger Zeit ein Museum der Auswanderung nach Brasilien. Es dokumentiert den Weg Tausender Deutschböhmen, die vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat verließen, um in Lateinamerika eine neue Heimat zu finden. Initiator des Museums ist Petr Polakovič. Seit einigen Jahren bemüht er sich schon, die tschechische Öffentlichkeit mit diesem Teil der deutschböhmischen Geschichte bekannt zu machen. Anfang des Jahres hat Petr Polakovič nun ein Buch über Böhmerwäldler in Brasilien herausgegeben. Martina Schneibergová hat mit ihm über das Buch und die Auswanderung gesprochen.

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Dorf Náhlov (Foto: Archiv des Museums der Auswanderung nach Brasilien)Dorf Náhlov (Foto: Archiv des Museums der Auswanderung nach Brasilien) Herr Polakovič, wie entstand die Idee, ein Museum der Auswanderung nach Brasilien zu gründen?

„Das hängt alles mit der Suche nach meinen Verwandten zusammen, von denen einige 1877 aus Liberec nach Südbrasilien auswanderten. Später habe ich dann erfahren, dass sich auch viele andere Familien – vor allem Deutschböhmen – damals in Brasilien niederließen. Die Nachkommen der Auswanderer kommen in den letzten Jahren immer wieder nach Tschechien und wollen ihre Familienwurzel kennen lernen. Während der letzten sechs, sieben Jahre habe ich sehr viele Informationen gesammelt und diese wollte ich in einem Museum präsentieren.“

Petr Polakovič in Sao Bento do SolPetr Polakovič in Sao Bento do Sol Wo und wann wurde das Museum geöffnet?

„Im Sommer vergangenen Jahres wurde das Museum in Ralsko eröffnet. Gegründet wurde es vom Verein Náhlov im Ralsko-Gebiet, der vor einigen Jahren entstanden ist. Das Museum wurde in einer Klasse im Gebäude der ehemaligen deutschen Schule eingerichtet.“

Sie haben soeben ein Buch über die Böhmerwäldler in Brasilien herausgegeben. Das Buch stützt sich auf die Erinnerungen eines der Auswanderer. Wann ließen sich die Böhmerwäldler in Brasilien nieder?

Böhmerwäldler in BrasilienBöhmerwäldler in Brasilien „Es war 1873, als eine Gruppe von Böhmerwald-Bewohnern, die aus Neuern (Nýrsko) und seiner Umgebung - beispielsweise aus den Dörfern Flecken (Fleky) und Rothenbaum (Červené dřevo) stammten – nach Brasilien – in die Kolonie Dona Francisca auswanderte. In der Nähe befand sich noch die Tochterkolonie Sao Bento. Die Gruppe leitete damals ein gewisser Josef Zipperer. Diese Böhmerwäldler hatten die heutige Stadt Sao Bento do Sol gegründet.“

Wo haben Sie die Erinnerungen von Josef Zipperer gefunden, die in Ihrem Buch auftauchen?

„Ich wollte schon immer auch die Bewohner von Sao Bento do Sol besucht. Es hat 2009 geklappt. Die Nachkommen der Böhmerwald-Bewohner haben wir verschiedene Geschichten erzählt und die Originalnotizen von Josef Zipperer gegeben.“

Josef ZippererJosef Zipperer Waren Sie mehrmals in Brasilien, um über die Böhmerwäldler zu forschen?

„Die Nachkommen der Böhmerwäldler habe ich bisher nur einmal besucht. Aber einige der Nachkommen waren inzwischen mehrmals in Tschechien zu Besuch. Sie haben sich auch unser neues Museum angeschaut und haben sich über das neue Buch sehr gefreut, das über ihre Vorfahren erzählt. Wir vom Museum sind genauso wie die Nachkommen der Auswanderer sehr froh, dass die tschechischen Leser mehr über die Geschichte der Böhmerwäldler in Brasilien erfahren können.“

Mehr über das Museum erfahren Sie unter www.nahlov.wz.cz.

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