Tagesecho Pervitinküchen kochen weiter – Rohstoffe kommen auch aus deutschen Apotheken

25-08-2009 16:55 | Patrick Gschwend

Pervitin ist in Tschechien eine weit verbreitete, weil billige Droge. Sie verursacht starke Euphorie, verringert das Schlafbedürfnis und steigert die Leistungsfähigkeit und das Mitteilungsbedürfnis. Regelmäßiger Konsum führt aber zu Abhängigkeit und in der Folge zu Persönlichkeitsveränderungen und schweren Gesundheitsschäden. Herstellen kann man Pervitin aus Medikamenten, die Pseudoephedrin enthalten. Deshalb wurde in Tschechien im April eine Registrierungspflicht beim Kauf solcher Arzneimittel eingeführt. Der Erfolg der Maßnahme ist allerdings nur begrenzt.

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Die Zahlen mögen auf den ersten Blick positiv erscheinen. In Tschechien sind seit Einführung der Registrierungspflicht die Verkaufzahlen für Medikamente, die Pseudoephedrin enthalten, drastisch gesunken. Fast eine halbe Million Packungen solcher Medikamente wie etwa Modafen oder Nurofen, die gegen Grippe eingesetzt werden, gingen noch im April über die Ladentische tschechischer Apotheken. Im Juli waren es nicht einmal mehr 50.000. Das begrüßen besonders die tschechischen Apotheker:

„Es kamen häufig Drogenabhängige, um Medikamente mit Pseudoephedrin zu kaufen. Oft kam es in der Apotheke dann auch zu Diebstählen“, sagt zum Beispiel diese Prager Apothekerin.

Der gewünschte Haupteffekt aber, die Trockenlegung der zahlreichen tschechischen Pervitinküchen, ist ausgeblieben, sagt Stanislav Havlíček, der Präsident der tschechischen Apothekerkammer:

„Die organisierten Banden, die die Droge in großem Maßstab kochen und damit handeln, besorgen sich ihren Rohstoff nun ohne Probleme im Ausland. Damit haben wir ein ursprünglich tschechisches Problem nur über die Landesgrenzen verlagert.“

Über die Grenzen, das heißt hauptsächlich nach Polen, in die Slowakei, aber auch nach Deutschland. Dort kann man Medikamente mit Pseudoephedrin ohne Probleme kaufen.

In Polen handele es sich dabei um 21 Präparate, in der Slowakei und in Deutschland um jeweils fünf, erklärt der Leiter der Nationalen Antidrogenzentrale in Tschechien, Jakub Frydrych. So ist das auch als Dopingmittel bekannte Pseudoephedrin zum Beispiel in zahlreichen frei erhältlichen Erkältungsmitteln enthalten.

Tschechien bemüht sich nun um eine Einigung mit seinen Nachbarstaaten. Wenn dort schon keine Verkaufbeschränkung erreicht werden kann, so will man wenigstens Informationen über den Missbrauch entsprechender Medikamente austauschen. Gegenüber Radio Prag sagte Tobias Hückel, der stellvertretende Geschäftsführer der Landesapothekerkammer Sachsen, man sei sich dort des Problems bewusst. Und auch das sächsische Landeskriminalamt beschäftige sich bereits mit dem unerwünschten Medikamenten-Tourismus, so Hückel.

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