Patienten zur Kasse gebeten – Stammzellen-Forschungsprojekt verstößt gegen Grundsätze

Die renommierte Neurowissenschaftlerin und Politikerin Eva Syková hat alle ihre Funktionen niedergelegt. Sie reagierte damit auf ihr Fehlverhalten als Leiterin einer klinischen Studie zur Nervenerkrankung ALS. Entgegen den gesetzlichen Vorschriften wurden von Patienten Spenden kassiert, um das Forschungsprojekt finanzieren zu können.

Eva Syková (Foto: ČTK)Eva Syková (Foto: ČTK) Syková hat an der tschechischen Akademie der Wissenschaften eine medizinische Versuchsreihe geleitet. Es ging um die Behandlung von ALS mit Stammzellen. Die Versuchsreihe wurde zunächst aus öffentlichen Mitteln und aus Mitteln der Klinik in Prag-Motol finanziert, wo die Behandlung stattfand. Auch die Firma Bioinova übernahm einen Teil der Kosten. Bioinova kultivierte die nötigen Stammzellen. Für eine Fortsetzung der Studie und Behandlung weiterer Patienten gab es aber kein Geld mehr. Daher wurde eine Stiftung zur Förderung der Stammzellenforschung gegründet. Eva Syková:

Stammzellen-Forschungsprojekt (Foto: Tschechisches Fernsehen)Stammzellen-Forschungsprojekt (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Wir haben viele Spenden bekommen - von Versicherungen, von Privatspendern, die mit der Behandlung nichts zu tun haben, von uns selbst. Ich habe selbst auch gespendet.“

Ebenso haben einige der an der Studie beteiligten Patienten an die Stiftung gezahlt, und zwar jeweils 150.000 Kronen (gut fünfeinhalbtausend 5500 Euro). Syková unterstrich in einem Interview gegenüber dem Tschechischen Rundfunk, die Stiftung habe die Patienten nicht kontaktiert.

Klinik in Prag-Motol (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)Klinik in Prag-Motol (Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag) „Sie kamen selbst in unsere Stiftung und haben wiederholt gebeten, beitragen zu dürfen, damit Stammzellen für sie produziert werden können.“

Laut Syková haben die Patienten mit ihren Beiträgen die Forschung bezahlt und nicht die eigene Aufnahme in die klinische Studie. Die Auswahl der Patienten sei schon im Voraus von Ärzten der Klinik in Prag-Motol getroffen worden, betont sie.

Trotz der Beteuerungen hat der Vorsitzende der Akademie der Wissenschaften, Jiří Drahoš, am Montag die Forscherin von der Leitung des Instituts für experimentelle Medizin abberufen. Der Fall könnte dem guten Ruf der Akademie und des Instituts schaden, hieß es. Die Vorsitzende des Instituts für öffentliche Gesundheit und medizinisches Recht an der Karlsuniversität, Jolana Těšinová, zeigte sich schockiert über die Verletzung ethischer Regeln:

Jolana Těšinová (Foto: Archiv von Jolana Těšinová)Jolana Těšinová (Foto: Archiv von Jolana Těšinová) „Unser Rechtsystem, auch im Bereich des medizinischen Rechts, enthält viele Vorschriften, die verschiedene Deutungen ermöglichen. Bei der wissenschaftlichen Forschung gibt es aber kein Zweifel daran, dass sich die Patienten in dieser Phase nicht an der Finanzierung beteiligen dürfen.“

Syková selbst hat in dieser Woche auch ihren stellvertretenden Vorsitz des Wissenschaftsrats der tschechischen Regierung niedergelegt. Sie ist aber überzeugt, nicht gegen Gesetze verstoßen zu haben:

„Unsere einzige Motivation in der Stiftung war, den Patienten zu helfen, damit diese die Behandlung erhalten, die sie dringend gefordert haben.“

An der klinischen Studie haben 26 Patienten teilgenommen. Nach Worten Sykovás habe man das Leben von etwa 70 Prozent von ihnen dank der Behandlung um einige Monate verlängern können. Laut der Forscherin plant die Klinik in Prag-Motol eine weitere Runde der klinischen Studie. Aber auch andere Einrichtungen hätten Interesse an dem Projekt gezeigt.