Panik nach Schüssen – Islamgegner täuschen Terroranschlag in Prag vor

Der Rechtspopulist Martin Konvička ist Tschechiens bekanntester Islamgegner. Am Sonntag erschreckten er und seine Mitstreiter die Touristen im Prager Stadtzentrum. Mit Waffen-Imitaten täuschten sie einen Terroranschlag vor und die Machtübernahme durch die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Polizei konnte gerade noch eine Massenpanik verhindern.

Martin Konvička (Foto: ČTK)Martin Konvička (Foto: ČTK) „Allahu Akbar“ – „Gott ist groß“, so riefen sie auf Arabisch und zielten mit Maschinenpistolen in die Luft. Die Islamgegner waren in Militäranzüge geschlüpft, hatten sich Palästinensertücher um den Kopf geschwungen und fuhren im Jeep auf den Altstädter Ring. Einer schwenkte sogar die schwarze Fahne der Terrormiliz „Islamischer Staat“. Dazu ritt ihr Chef Martin Konvička auf einem Dromedar heran.

Das Spektakel sollte eine Parodie sein, doch letztlich wurde es zum üblen Scherz. Denn die Islamgegner hatten Airsoft-Waffen mit sich, die wie echte Maschinenpistolen aussahen. Als sie daraus auch noch schossen, ergriffen einige Menschen auf dem Altstädter Ring die Flucht. Die Aktion war zuvor jedoch vom Prager Magistrat erlaubt worden. Polizeisprecher Martin Hulan:

„Als die Vorstellung lief, begannen die Schauspieler – wie sie angekündigt hatten – ihre Waffen zu benutzen. Viele Passanten haben das wohl als außergewöhnlichen Vorfall verstanden. Es entstand ein Gemenge, und Menschen begannen vom Altstädter Ring zu flüchten.“

Martin Konvička (Foto: ČTK)Martin Konvička (Foto: ČTK) Der Kellner eines Restaurants berichtete, dass Gäste vom Tisch aufstanden und wegrannten. Etwa 30 geschockte Menschen versteckten sich in einem Hotel. Ein belgischer Tourist äußerte sich später entrüstet. Der Presseagentur ČTK sagte er, das sei ein gefährliches Spiel gewesen.

Als es zu panischen Reaktionen kam, beendete die Polizei die Veranstaltung. Rechtspopulist Konvička zeigte sich aber zufrieden. Das Ziel sei ja gerade gewesen, die Menschen zu schocken, so der Islamgegner gegenüber tschechischen Medien.

Allerdings prüft die Polizei nun, ob die Veranstalter nicht gegen das Gesetz verstoßen haben. Es geht um einen Paragrafen, der die Verbreitung falscher und beunruhigender Gerüchte verbietet.

„Die Ermittlungen zu der Aktion laufen. Dabei muss noch eine ganze Reihe Informationen geprüft werden, die grundlegend wichtig sind, um die Aktion rechtlich zu qualifizieren“, so Polizeisprecher Hulan.

In einem möglichen Rechtsverfahren wäre eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren möglich.

Politiker unterschiedlicher Couleur waren am Sonntag konsterniert. Innenminister Milan Chovanec (Sozialdemokraten) schrieb über Twitter, die Veranstaltung sei „der Ausdruck politischer Vertrottelung“. Der Vorsitzende der oppositionellen Top 09, Miroslav Kalousek, warnte vor fatalen Folgen der Aktion. Zugleich machte er sowohl Innenminister Chovanec als auch die Prager Oberbürgermeisterin Adriana Krnáčová (Partei Ano) verantwortlich. Das Rathaus der Stadt hatte die Veranstaltung zuvor erlaubt. Sie war als Kundgebung angemeldet gewesen. Vít Hofman ist Sprecher des Prager Magistrats:

Foto: ČTKFoto: ČTK „Eine Kundgebung lässt sich nicht so leicht verbieten. Sie muss per Gesetz einfach nur als solches angekündigt werden. Als dann Chaos entstand, hat ein Beamter des Magistrats die Veranstaltung vorzeitig beenden lassen.“

Martin Konvicka behauptet, die Veranstaltung sei im Detail mit den Behörden und der Polizei abgestimmt gewesen – inklusive dem Gebrauch von Waffen-Imitaten. Eine Stellungnahme des Magistrats vom Montag klingt hingegen anders.