Tagesecho Ostrava: Nach langer Zeit wieder Protest gegen Luftverschmutzung

09-04-2008 15:58 | Jitka Mládková

Nach vielen Jahren sind am Dienstag wieder mehrere Hundert Bewohner von Ostrava / Ostrau gegen die Luftverschmutzung in ihrer Stadt auf die Straße gegangen. Jitka Mládková mit Einzelheiten:

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Proteste gegen Luftverschmutzung in Ostrava (Foto: ČTK)Proteste gegen Luftverschmutzung in Ostrava (Foto: ČTK) Sagt man Ostrava, dann fällt vielen Tschechen auch das Attribut „Stahlherz der Republik“ ein. So hat man nämlich die nordmährische Industriestadt vor dem Wendejahr 1989 gerne bezeichnet. Dafür hat sie aber hohen Preis bezahlt. Die Luftverschmutzung war in Ostrava extrem hoch. Nach der Wende hat sich die Situation wesentlich verbessert, und zwar durch den Produktionsrückgang und die Entschwefelungsanlagen.

Vor einigen Jahren kam es allerdings zu einer Trendwende, die zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung nach sich zieht. Laut Gesetz dürfen die genehmigten Emissionslimits an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden. Diese gesetzliche Schmerzgrenze ist aber in den Stadtteilen Bartovice und Radvanice bereits mit 43 Tagen in diesem Jahr erheblich überschritten worden. Gegen diese Situation demonstrierten am Dienstag mehrere Hundert unzufriedene Ostrava-Bewohner im Stadtzentrum. Ihr Protest galt vor allem dem Stahlgiganten ArcelorMittal Ostrava, kurz AMO, einem der größten Luftverschmutzer in der Region.

Proteste gegen Luftverschmutzung in Ostrava (Foto: ČTK)Proteste gegen Luftverschmutzung in Ostrava (Foto: ČTK) „Die pusten gerne alles Mögliche in die Luft vor allem in der Nacht. Morgens ist dann alles mit schwarzem Staub bedeckt, der wie Metall schimmert,“

erzählte im Tschechischen Fernsehen eine Bewohnerin des Stadtteils Radvanice, in unmittelbarer Nähe des Hüttenwerkes, das dem indischen Stahlmagnaten Lakshmi Mittal gehört.

Im Auftrag der nahe gelegenen Stadtteile hat das Gesundheitsinstitut Ostrava im vergangenen Jahr eine Boden-, Luft, Wasser- und Pflanzenuntersuchung in der Gegend durchgeführt. Ihre Ergebnisse waren wenig erfreulich. Von den 30 Bodenproben war keine einzige innerhalb der festgelegten Limitwerte. Dasselbe ergaben Wasserproben aus sechs Brunnen, von Obst und Gemüse aus Eigenproduktion wird abgeraten. Jan Bílek vom Gesundheitsinstitut Ostrava bestätigt die Befürchtungen der Bürger:

Proteste gegen Luftverschmutzung in Ostrava (Foto: ČTK)Proteste gegen Luftverschmutzung in Ostrava (Foto: ČTK) „Im Staub, der in der Luft enthalten ist, haben wir Metallpartikel gefunden, die aus der Stahlproduktion stammen.“

Wie aus der Studie ebenso hervorgeht, leiden in den besonders gefährdeten Stadtteilen von Ostrava um 15 Prozent mehr Kinder an einer Atemwegserkrankung als es in anderen Regionen der Fall ist. Die Sterberate wird um 20 Prozent höher, prophezeien einige Experten. In der kommenden Woche sollte ein Vertrag über die Reduzierung der Emissionen zwischen der Stadt Ostrava und dem Hüttenwerk ArcelorMittal unterzeichnet worden. Nun gibt es eindeutige Signale direkt aus dem Rathaus, dass die Emissionslimits für AcelorMittal noch einmal unter die Lupe genommen werden.

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