Tagesecho Oper 2009: Don Giovanni aus Ostrava singt in Gegenwartstschechisch
In Tschechien gibt es zehn professionelle Operntheater. Außerdem sind hier mehrere Opern-Ensembles tätig, die keine ständige Spielstätte haben und unregelmäßig auftreten. Das Opernfestival in der tschechischen Hauptstadt, das alle zwei Jahre stattfindet, bringt aber alle Ensembles zusammen. Am Wochenende wurde das Festival „Oper 2009“ im Prager Nationaltheater eröffnet.
Don Giovanni, Zuzana Marková mit Martin Gurbal (Foto: Josef Hradil)
Don Giovanni im Ständetheater, wie ihn das Prager Publikum nicht kennt:
gesungen wurde nicht in Italienisch, sondern in einem sehr lebendigen
Gegenwarts-Tschechisch. Festivaldirektorin Lenka Šaldová:
„Die Oper Don Giovanni in der Regie von Michael Tarant wird vom Mährisch-Schlesischen Nationaltheater in Ostrava in einer ganz neuen Nachdichtung von Jarek Nohavica aufgeführt. Der Liedermacher und Dichter begann vor etwa zwei Jahren Mozarts Libretti zu übersetzen. In Ostrava werden die Opern Cosi fan tutte und Don Giovanni in dieser neuen Version gespielt. Bald wird auch Figaros Hochzeit in Nohavicas Übersetzung aufgeführt.“
Das Prager Publikum hat dem neuen Don Giovanni applaudiert. Neben dem Opern-Ensemble aus Ostrava werden sich in Prag in den nächsten Tagen Theater aus dem ganzen Land vorstellen: aus Plzeň / Pilsen, Opava / Troppau, Liberec / Reichenberg, České Budějovice / Budweis, Ústí nad Labem / Aussig sowie aus Olomouc / Olmütz. Die Ensembles können selbst darüber entscheiden, welche Vorstellung sie nach Prag mitbringen wollen, sagt Lenka Šaldová.
“Die Festivaldramaturgie ist sehr unterschiedlich, es kommt darauf an, ob das Operntheater mit einem ungewöhnlichen Operntitel glänzen will oder eher einen Sänger in einer anspruchsvollen Rolle vorstellen will. Es kann auch sein, dass es eine Inszenierung bringt, die mit einem namhaften Opernregisseur verbunden ist.“
Dieses Jahr findet man auf dem Programm Opern, die in Tschechien eher selten aufgeführt werden - auch wenn es Werke von Giuseppe Verdi sind – wie „Simone Boccanegra“ oder „Die Macht des Schicksals“.
Das Festival findet bereits zum neunten Mal statt. Dies zeuge davon, so die Direktorin, dass es für die Operntheater eine gute Einrichtung sei.
“Einerseits haben die Ensembles die Möglichkeit, sich in einem anderen Raum, vor einem anderen Publikum vorzustellen und dabei sind auch Fachleute. Andererseits gilt: Wenn sie beim Festival Erfolge feiern und einen der ´Libuška´ - Ehrenpreise gewinnen, wird der Erfolg in der Heimatstadt gewürdigt. Dann kommt es auf die Fähigkeit der Theaterleute an, wie sie diesen Erfolg weiter zu nutzen wissen.“
Das Festival könnte also für die Opern-Ensembles auch finanziell von Vorteil sein. Mit einem Festkonzert im Prager Ständetheater endet am 17. März das Fest der Opern. Dort werden auch die Festivalpreise verliehen. Mehr über das Festivalprogramm erfahren Sie unter www.festival-opera.cz.







