Tagesecho Ondřej Havelka inszeniert „Action-Oper“ Hoffmanns Erzählungen
Seit der Premiere der Oper in Paris sind fast 130 Jahre vergangen. Das Werk hat dank der vielen bizarren, wie von einem Science-Fiction-Film abgeguckten Motive bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren: die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques Offenbachs. Sie bietet nicht nur große Gesangspartien, sondern auch viel Raum für die Phantasie des Regisseurs. Das Prager Nationaltheater hat nun Offenbachs Spätwerk wieder mit internationaler Besetzung auf die Bühne gebracht.
Regisseur Ondřej Havelka, links (Foto: Hana Smejkalová)
Am Wochenende wurde die Neuinszenierung von Hoffmanns Erzählungen zum
ersten Mal aufgeführt. Regie hatte Ondřej Havelka, den die breitere
Öffentlichkeit eher als Sänger der Swing-Band Melody Makers kennt. Er ist
so etwas wie der tschechische Max Raabe. Für Havelka war es nicht die
erste Opernregie. In Prag studierte er vor einigen Jahren mit großem
Erfolg Martin Smolkas zeitgenössische Oper „Nagano“ ein. Havelka sieht
in Hoffmann keinen zarten Träumer, sondern viel mehr einen etwas derben
Romantiker, der mit dem Feuer spielt. Davon sei er als Regisseur
ausgegangen:
Foto: www.narodni-divadlo.cz
„Ich habe mich bemüht, nichts Gekünsteltes und Überflüssiges
auszudenken. Mir geht es immer um ein natürliches Theater. Ich achte
darauf, dass sich die Darsteller auf der Bühne möglichst normal
verhalten. Hoffmanns Erzählungen sind ein ungewöhnlich großes Thema
fürs Theater. Das Werk ist sehr gut durchdacht und sehr gut geschrieben.
Es ist sozusagen eine ´Action-Oper´, in der ständig etwas passiert. Das
habe ich auf der Bühne umzusetzen versucht.“
Auch wenn der Held E.T.A. Hoffmann eine Sonderbrille trägt, die seinen Blick auf die Welt verzerrt - Bewunderer experimenteller Regie könnten durch die neue Aufführung von Hoffmanns Erzählungen enttäuscht sein. Gelangweilt hat sich das Publikum aber auf keinen Fall.
Foto: Hana Smejkalová
Für die Inszenierung wurden neben Sängerinnen und Sängern vom hiesigen
Opernensemble einige international bekannte Solisten engagiert: In der
Hauptrolle als Dichter E.T.A. Hoffmann wechseln sich der belgische Tenor
Marc Laho und der Russe Valentin Prolat ab. In der Rolle der vier
Bösewichte stellen sich in Prag der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny
und der Amerikaner Donnie Ray Albert vor. Die musikalische Leitung hat der
französische Dirigent Michel Swierczewski. Das Publikum belohnte das
internationale Inszenierungsteam bei der Premiere mit einem lange
anhaltenden Applaus.
Hoffmanns Erzählungen werden im Nationaltheater Prag das nächste Mal am 12. und 28. März aufgeführt.








