Nur ein Kruzifix steht noch: älteste Holzkirche der Beskiden niedergebrannt

Die Nacht auf Mittwoch war tragisch für die Stadt Třinec, den Kreis Mährisch-Schlesien, aber auch ganz Tschechien. Im Stadtteil Guty ist eine der letzten erhaltenen Holzkirchen aus dem 16. Jahrhundert niedergebrannt. Nun steht eine ganze Region unter Schock.

SFoto: ČTKFoto: ČTK eit vierzig Jahren lebt Bohuslav Sabela in Guty bei Třinec, ganz in der Nähe der einzigartigen Holzkirche. Diese Nacht wird ihm aber wohl noch lange in trauriger Erinnerung bleiben:

„Es war warm, und ich habe mit offenem Fenster geschlafen. Dann habe ich plötzlich brennendes Holz gerochen. Ich habe rausgeschaut – ich habe ja einen direkten Blick auf die Kirche – und gesehen, dass da drüben alles lichterloh brannte. Der Wind wehte nach Süden, genau in unsere Richtung.“

Zdeněk Karlík wohnt ebenfalls nahe der nun niedergebrannten Kirche. Wie Bohuslav Sabela weckte ihn der Brand:

Foto: ČTKFoto: ČTK „Die Funken flogen einen halben Kilometer weit, bei mir im Garten liegt viel verkohltes Laub. Und auch viele brennende Holzstücke wurden in unsere Richtung geweht. Wir hatten große Angst, dass nicht noch etwas anderes Feuer fängt. Wir haben unser Schwimmbecken aufgefüllt, um gleich Wasser für den Notfall bereitzuhalten. Wenn das Feuer aber da ist, kann man sowieso nichts mehr machen.“

Für die Feuerwehr des mährisch-schlesischen Kreises war der Kirchenbrand bei Třinec einer der schwersten Einsätze der letzten Zeit. Denn durch das heiße Wetter und die Trockenheit der letzten Tage stand viel auf dem Spiel. Petr Kůdela ist Sprecher der Feuerwehr vor Ort:

„Als wir angekommen sind, standen nur noch die Grundmauern, das Schindeldach war ganz weg. Wir konnten nur noch versuchen, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, was nach einer Stunde auch gelang. Die Gefahr war groß, dass die Flammen auf den trockenen Wald übergreifen. Auch so schon wurden einige der umliegenden Grabsteine schwer beschädigt.“

Ehemalige Fronleichnamskirche in Třinec-Guty (Foto: ČTK)Ehemalige Fronleichnamskirche in Třinec-Guty (Foto: ČTK) Laut Kůdela war das Feuer irgendwo vor der Kirche ausgebrochen, setzte das Gebäude aber in Sekundenschnelle in Brand. Nach der konkreten Ursache des Feuers wird noch geforscht, die Hinweise auf Brandstiftung verdichten sich aber immer mehr.

Das wahre Ausmaß der Katastrophe ist aber erst am nächsten Morgen deutlich geworden. Jan Mirdač hat jeden Sonntag den Gottesdienst in der Holzkirche von Guty besucht. Nun kann er seine Trauer kaum in Worte fassen:

„Das ist ein schwerer Schlag für mich. Als ich von dem Brand erfahren habe, hat mich das bloße Grauen gepackt, ich habe gebetet und bin in Tränen ausgebrochen. Etwas von großem Wert ist verloren gegangen, unsere Kirche war ein Juwel.“

Kazimierz Płachta (Foto: Tschechisches Fernsehen)Kazimierz Płachta (Foto: Tschechisches Fernsehen) Das bestätigt auch Michal Zezula vom örtlichen Denkmalschutzamt. Er betreute den Holzbau aus dem frühen 16. Jahrhundert:

„Die Kirche war dadurch einzigartig, dass sie hier in den Beskiden die älteste ihrer Art war. Einzigartig war auch das Interieur, also die Wandmalereien und Gemälde. Einige waren Originalstücke aus der Renaissance.“

Insgesamt dürfte der Wiederaufbau des ehemaligen Touristenmagneten rund 20 Millionen Kronen (765.000 Euro) kosten. Glücklicherweise war der Bau versichert, die Stadt Třinec will aber gemeinsam mit dem Kulturministerium einen Fonds gründen zur Finanzierung eines möglichen Neubaus.

Übrig geblieben ist von dem Ensemble nur ein großes Kruzifix. Für den Pfarrer der Gemeinde, Kazimierz Płachta, ist das ein starkes Symbol:

„Es ist ein Zeichen der Hoffnung inmitten unseres Schmerzes. Wir blicken auf das Kreuz mit so viel Hoffnung und Glauben, wie auf die Wiederauferstehung Jesu nach seinem Tod. Wir hoffen, dass unsere Gemeinde einmal wieder an diesem Ort zusammenkommen wird.“