Tagesecho Nonkonforme Malerin aus Kladno – ein Nachruf auf Jitka Válová
Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Werks standen ihr ganzes Leben lang menschenähnliche Figuren. Mit ihrer Schwester Květa gehörte sie zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Nachkriegszeit. Am Sonntag ist die tschechische Malerin und Graphikerin Jitka Válová im Alter von 88 Jahren gestorben.
Jitka Válová (Foto: ČTK)
„Válovky“ - jeder, der sich auch nur ein wenig für moderne
tschechische Kunst interessiert, ist dies ein Begriff. Die beiden
Malerinnen aus der mittelböhmischen Industriestadt Kladno, Květa und
Jitka Válová, stellen in der tschechischen bildenden Kunst ein
originelles Tandem dar. Die 1922 geborenen Zwillingsschwestern studierten
an der Hochschule für Kunstgewerbe in Prag. Sie verbrachten ihr ganzes
Leben in ihrer Heimatstadt Kladno, wo sie nach Inspiration suchten. Die
beiden Künstlerinnen trennten sich nie voneinander. Auch nach dem Tod
ihrer Zwillingsschwester Květa vor zwölf Jahren hörte Jitka Válová
nicht auf, zu malen. Ihre Bilder, die sich nie nach den Modetrends
richteten, wirken monumental und dabei zart.
Jitka Válová: Kalvarienberg
Die Kunsthistorikerin Marie Klimešová, die in den vergangenen Jahren
einige Ausstellungen mit den Werken der beiden Schwestern betreute, hält
die Malerinnen für ein einzigartiges Phänomen:
„Sie unterscheiden sich von den anderen Künstlern durch eine große Freiheit in ihrem Schaffen, die bisher beispiellos ist. Sie waren frei, unabhängig und menschlich. In ihren Bildern berührten sie sehr ernsthafte Dinge auf eine einzigartige Weise. Sie machten eine lange Entwicklung durch, zu malen fingen sie in den 1950er Jahren an im Stile eines sehr behutsamen Modernismus.“
Nach Inspiration suchten sie in der Heimatstadt Kladno. Sie waren von der Atmosphäre der dortigen Stahlwerke Poldi fasziniert. Ihr Schaffen entsprach aber nicht dem damals offiziellen sozialistischen Realismus. Dies bestätigte Jitka Válová selbst 2006 in einem Interview für den Tschechischen Rundfunk:
Marie Klimešová
„Wir passten in diese Schublade nicht rein. Meiner Schwester wurde
vorgeworfen, dass sie den Menschen allzu große Hände male, die an Affen
erinnern. Ich wurde wiederum dafür kritisiert, dass meine Figuren allzu
kleine Köpfe hätten - wie ohne Gehirn. Mir ging es beim Malen aber um
die
Bewegung. Ich wollte keine konkreten Individuen darstellen, sondern eher
den Menschen als Träger eines Gefühls, eines Schicksals. Und die
Auseinandersetzung damit hat mich interessiert.“
Jitka Válová (Foto: ČTK)
Kunsthistorikerin Marie Klimešová zufolge waren die Bilder aus dem
Arbeitermilieu für die offiziellen Kritiker allzu roh und vermittelten
nicht den damals erwünschten Optimismus. Die beiden Malerinnen waren zwar
nicht direkt regimekritisch, aber sie waren wahrhaftig, meint die
Kunsthistorikerin. In der tschechischen Kulturszene gehörten die
Schwestern darum lange zu unterschätzten Outsidern. 1966 - in der Zeit
einer gewissen Entspannung – fand die erste bilanzierende Ausstellung
der
beiden Malerinnen in der renommierten Prager Špála-Galerie statt. Auf
eine nächste Ausstellung mussten die unkonformen Schwestern aber 27 Jahre
warten. Erst nach der Wende von 1989 konnten sie auch im Ausland
ausstellen
und ihr Werk wurde auch entsprechend gewürdigt. 1994 wurden Květa und
Jitka Válová in Wien mit dem Herder-Preis ausgezeichnet. Jitka Válová
wurde 2003 zudem der Preis des Kulturministers für ihr Lebenswerk
verliehen. Über die Schwestern, deren Bilder heutzutage in vielen
bedeutenden ausländischen Sammlungen zu finden sind, wurden inzwischen
einige Bildbände herausgegeben und Dokumentarfilme gedreht. Dem
Kunsthistoriker Jiří Ševčík zufolge waren die „Válovky“, wie sie
etwas familiär unter den Kunstliebhabern und Kennern genannt werden, auch
aus dem folgenden Grund einzigartig:
Jitka und Květa Válová (Foto: ČTK)
„Sie arbeiteten an der Peripherie - in Kladno und führten eine
proletarische Existenz. Diese Verbindung einer proletarischen Existenz mit
der Bohème finde ich beachtenswert. Denn sie waren wahrscheinlich die
letzten Vertreterinnen dieses Standes.“
Eine Ausstellung aus dem Werk von Květa und Jitka Válová ist zurzeit in Litoměřice / Leitmeritz statt zu sehen, und zwar unter dem Titel „Eine kleine Retrospektive“ in der dortigen Nordböhmischen Galerie der bildenden Kunst. Sie dauert bis zum 17. April.







