Nicht gefährdet und doch bedroht: Rotkehlchen ist Vogel des Jahres

Die Tschechische Ornithologische Gesellschaft hat den Vogel des Jahres benannt. Diesmal ist es jedoch keine Art, die auf der roten Liste gefährdeter Tiere steht.

Rotkehlchen (Foto: Jiří Sedláček / ČSO)Rotkehlchen (Foto: Jiří Sedláček / ČSO) Mit seinem leicht perlenden Gesang ist es einer der beliebtesten Vögel überhaupt: das Rotkehlchen. Auch jetzt an Wintertagen ist der kleine Sänger zu hören. Rund eine Million Brutpaare nisten jedes Jahr auf tschechischem Boden, und die Population hat in den vergangenen Jahrzehnten sogar leicht zugenommen. Warum also hat die Tschechische Ornithologische Gesellschaft das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres ausgerufen? Zdeněk Vermouzek leitet diesen Naturschutzverband:

„Wir versuchen mit der Wahl immer, auf ein Problem aufmerksam zu machen, das die Vogelwelt oder allgemein die Umwelt betrifft. Das Rotkehlchen haben wir ausgewählt, um zu zeigen, dass auch gewöhnliche Arten unsinnigen Gefahren ausgesetzt sind. In Städten und Dörfern nimmt die Zahl der Glasflächen enorm zu, und das Rotkehlchen gehört zu jenen Vögeln, die häufig dort hineinfliegen. Das betrifft zum Beispiel die Wartehäuschen von Haltestellen. Stehen diese mit der Rückwand zu einem Park oder einem Garten mit Büschen, dann sehen die Vögel die Gefahr nicht. Sie fliegen ins Glas und kommen dabei häufig um.“

Gabriela Dobruská (Foto: Archiv der Tschechischen Ornithologischen Gesellschaft)Gabriela Dobruská (Foto: Archiv der Tschechischen Ornithologischen Gesellschaft) Die Ornithologische Gesellschaft hat daher eine Kampagne gestartet, um gerade Straßenbahn-, Bus- und Bahnhaltestellen sicherer zu machen. Gabriela Dobruská betreut die Kampagne:

„Wir rufen die breite Öffentlichkeit auf, sich umzuschauen und Wartehäuschen zu beurteilen. Das kann man mit einem Foto auf unserem dafür neu geschaffenen Webportal machen. Schulen oder sonstige Interessierte, die sich beteiligen möchten, können zudem selbst zur Sicherung der Wartehäuschen beitragen. Allerdings ist es wichtig, zuvor den Eigentümer der Haltestelle anzusprechen. Er muss seine Zustimmung geben.“

Ein Mythos sei es aber, dass ein einfacher Aufkleber auf der Glasscheibe ausreiche. Auch hilft nicht unbedingt die Silhouette eines Greifvogels, damit die Piepmatze gewarnt sind.

Foto: Pascal Auricht, Public DomainFoto: Pascal Auricht, Public Domain „Nicht die Form der Aufkleber ist wichtig, sondern ihre Zahl. Die Aufkleber können auch die Form von Blättern haben, Punkte oder Streifen helfen genauso. Sie müssen allerdings ein dichtes Geflecht bilden, damit der Vogel dies auf den ersten Blick erkennt. So kann er über oder um das Wartehäuschen herumfliegen.“

Gefahren drohen natürlich ebenso bei großen Glasfenstern. Auch darauf wollen die Ornithologen aufmerksam machen. Dort ist vor allem das Problem, wenn die Scheiben reflektieren. Ist hingegen gut nach innen zu sehen, bekommen die Vögel nicht den Eindruck, sie könnten hindurchfliegen. Da die Vogelsicherung aber bei Glasfenstern komplizierter ist, haben die Naturschützer sie nicht in ihre Kampagne eingebunden.

Rotkehlchen (Foto: Luis García, CC BY-SA 3.0 ES)Rotkehlchen (Foto: Luis García, CC BY-SA 3.0 ES) Das Rotkehlchen ist übrigens in unseren Breiten das ganze Jahr hindurch gefährdet. Denn es handelt sich nicht um einen reinen Zugvogel.

„Jeden Winter bleibt auch in Tschechien eine kleinere Zahl der Rotkehlchen zurück. Der milde Verlauf hat ihnen in diesem Jahr geholfen, den Winter gut zu überstehen“, so Zdeněk Vermouzek.

Eigentlich lebt das Rotkehlchen im Wald. Doch der rundliche Vogel mit orangeroter Brust, Kehle und Stirn fühlt sich mittlerweile auch in Parks und Gärten immer wohler – vorausgesetzt er findet dort genügend Gebüsch. Da das Rotkehlchen nicht sonderlich scheu ist, lässt es sich also gut beobachten.