Tagesecho Neuling auf der SAG-Konferenz: Miroslav Hyrman analysiert tschechisch-deutsche Beziehungen

13-12-2006 16:02 | Martina Schneibergová

Konkrete Beispiele tschechisch-deutscher Zusammenarbeit im karitativ-sozialen Bereich, im kirchlichen Bereich sowie im Jugendaustausch wurden bei der Konferenz präsentiert, die von der tschechischen christlich orientierten Organisation Sdruzeni Ackermann-Gemeinde (SAG) am ersten Dezemberwochenende in Celakovice bei Prag veranstaltet wurde. Neben Diskussionsteilnehmern, die sich schon einige Jahre lang in der tschechisch-deutschen Zusammenarbeit engagieren, konnten die Konferenzteilnehmer während der Debatte am Runden Tisch einen Neuling erleben, der sie begeistert hat. Mehr von Martina Schneibergova.

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Miroslav HyrmanMiroslav Hyrman Am ersten Konferenztag habe er sich in die letzte Bank gesetzt, denn er habe sowieso niemanden gekannt, aber das Thema der Konferenz habe ihn interessiert, erzählte mir der 18-jährige Gymnasiast aus Vimperk / Winterberg, Miroslav Hyrman. Bei der Konferenz wurde über den Anteil der Christen an der Gestaltung der tschechisch-deutschen Beziehungen diskutiert. Dass es eine tschechische Organisation Namens Sdruzeni Ackermann-Gemeinde gibt, wusste Hyrman aus einem Zeitungsartikel und da er sich für tschechisch-deutsche Beziehungen interessiert, wollte er vor Ort über die Tätigkeit der Ackermänner mehr erfahren. Mitgenommen hatte er seine umfangreiche Schularbeit, in der er sich mit tschechisch-deutschen Beziehungen befasst - einerseits aus der Sicht der historischen Presse und andererseits aus der Sicht der heutigen Jugendlichen. Wie kam er dazu, sich so tiefgründig mit diesem Thema zu beschäftigen?

"Ich habe früher an tschechisch-deutschen Ferienlagern teilgenommen, wo ich mit deutschen sowie tschechischen Schülern zusammengekommen bin und mich mit ihnen unterhalten habe. Später bin ich auch Deutschen begegnet, die aus der Region Vimperk vertrieben worden sind. Da habe ich begonnen, mich für ihr Schicksal sowie dafür zu interessieren, wie es in meiner Heimatstadt Vimperk damals ausgesehen hat."

Um mehr über die Geschichte zu erfahren, analysierte Miroslav Hyrman Artikel aus der Regionalpresse aus dem Jahr 1938 sowie den Jahren 1945-1947. Danach stellte er Schülern an Gymnasien und Mittelschulen in den Grenzregionen Fragen, die tschechisch-deutsche Beziehungen betrafen. Wissen die Mitschüler etwas darüber, dass in Vimperk Deutsche gelebt haben?

"Diese Tatsache ist nicht sehr bekannt. Die Schüler wissen oft nicht, wann es zur Aussiedlung der deutschen Bevölkerung gekommen ist. Viele meinten, dass es 1948 war, als die Kommunisten an die Macht gekommen sind. Und nur sehr wenige ahnen, wie viele Deutsche vertrieben worden sind. Auch wenn die historischen Kenntnisse ungenügend sind, hält die Mehrheit der Befragten die gegenwärtigen tschechisch-deutschen Beziehungen für gut. Nur zehn Prozent der Schüler waren der Meinung, dass die Beziehungen schlecht sind. Die meisten Schüler bekundeten Interesse an Kontakten zu Deutschen und sehen die Zukunft positiv."

Während der abschließenden Diskussion bei der Konferenz sprang Miroslav Hyrman für einen der erkrankten Teilnehmer ein. Er sagte unter anderem, er hoffe, dass seine Schularbeit Interesse daran wecken kann, zu erfahren, wie die tschechisch-deutschen Beziehungen heute und in der Vergangenheit wirklich wahrgenommen wurden und werden.

Foto: Autorin

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