Tagesecho Neuer Direktor setzt im Institut für das Studium totalitärer Regime neue Akzente

18-02-2010 13:29 | Jitka Mládková

Das tschechische Institut für das Studium totalitärer Regime hat einen neuen Direktor. Anderthalb Jahre nach seiner Gründung hat die staatlich initiierte Forschungsinstitution damit erstmals einen Leiter, der aus einem Auswahlverfahren hervorgegangen ist. Zuvor hatte es Kritik gegeben am bisherigen Institutsdirektor Pavel Žáček, der 2008 aufgrund politischer Verhandlungen eingesetzt worden war. Žáček kandidierte dennoch erneut für den Posten. Letztlich fiel die Wahl aber auf seinen größten Rivalen, Jiří Pernes. Und der will nun offenbar andere Akzente setzen als sein Vorgänger.

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Jiří Pernes (Foto: ČTK)Jiří Pernes (Foto: ČTK) Jiří Pernes ist studierter Historiker. Der 62-Jährige hat sich als Hochschulpädagoge und Direktor des historischen Museums in Slavkov / Austerlitz sowie des Mährischen Landesmuseums in Brno / Brünn auf moderne tschechische Geschichte spezialisiert. Nun will er sich um ein neues Bild des Instituts für das Studium totalitärer Regime in der Öffentlichkeit bemühen, sagte Pernes gegenüber Radio Prag:

„Ich will vor allem die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass unser Institut keine politische Institution ist. Es arbeitet nicht mit politischem Auftrag, obwohl dieser Eindruck entstanden war. Die Ergebnisse unserer Arbeit müssen absolut seriös sein, also ohne faktische und sachliche Fehler. Ich möchte auch das Institut in eine standesgemäße Forschungsstätte umwandeln, die nicht nur biographische oder statistische Daten veröffentlicht.“

Pernes wendet sich gegen den „Boulevardstil“, mit dem das Institut einige Themen der Öffentlichkeit präsentiert hatte. Eines davon betraf zum Beispiel den Schriftsteller Milan Kundera, der als Student einen Regime-Gegner bei der Polizei angezeigt haben soll. Diese Information sei ohne Beweis durch seriöse Quellen veröffentlicht worden, so Pernes. Und außerdem kritisiert er:

„Spektakulär präsentierte Enthüllungen, dass diese oder jene Schauspielerin und dieser oder jener Abgeordneter mit der Geheimpolizei StB zusammengearbeitet habe. Auch wenn solche Informationen auf Wahrheit basieren, glaube ich nicht, dass ein Institut wie dieses sich vor der Öffentlichkeit auf diese Art und Weise präsentieren sollte.“

Gerade wegen der Veröffentlichung heikler Daten oder der Namenslisten von ehemaligen StB-Agenten oder -Mitarbeitern wurde das Institut für das Studium der totalitären Regime von links orientierten Parteien kritisiert. Ein Sieg der politischen Linken in den anstehenden Wahlen könnte das Institut bedrohen, spekulierten in jüngster Zeit einige Medien. Der neue Institutsdirektor teilt diese Meinung nicht:

„Wenn sich unser Institut standesgemäß verhält, wird es ohne Zweifel Unterstützung bei allen demokratischen Parteien finden.“

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