Tagesecho Neuer ČT-Direktor Dvořák: Will neues Konzept binnen drei Jahren umsetzen
Die wichtigste öffentlich-rechtliche Medienanstalt des Landes, das Tschechische Fernsehen (ČT), hat einen neuen Chef. Es ist der ehemalige Direktor des privaten TV-Kanals Nova, Petr Dvořák. Ab 1. Oktober wird er seinen Vorgänger Jiří Janeček ablösen, der Ende August aus persönlichen Gründen zurückgetreten ist. Nach der Wahl des neuen ČT-Generaldirektors taucht nun verstärkt die Frage auf: Was wird sich ändern im Programm und beim Personal des Fernsehsenders? Erste Antworten auf diese Frage hat Dvořák noch am Mittwoch gegeben.
Petr Dvořák (Foto: ČTK)
Für den Posten des öffentlich-rechtlichen Fernsehdirektors hatten sich
nicht weniger als 36 Kandidaten beworben. In die engere Auswahl gelangten
aber nur fünf von ihnen, darunter der Präsident der Deutsch-Tschechischen
Industrie- und Handelskammer (DTIHK), Radomír Šimek. Am Ende blieben nur
noch Petr Dvořák und der ehemalige Exekutivdirektor des privaten Senders
TV Óčko, Hynek Chudárek, übrig. In der Abstimmung des Fernsehrats am
Mittwoch setzte sich dann Petr Dvořák mit 12:3 Stimmen durch. Der
Vorsitzende des Fernsehrats, Milan Uhde, sagte nach der Wahl:
„Meiner Meinung nach haben wir eine gute Wahl getroffen, denn Petr
Dvořák hat nicht nur eine sehr präzise Präsentation seines Konzepts
vorgelegt, sondern er hat auch alle Vorgaben eingehalten.“
Milan Uhde (Foto: ČTK)
Dazu zählte beispielsweise eine Redezeit von zehn Minuten, die Dvořák
bis auf fünf Sekunden genau eingehalten habe, bemerkte Uhde mit
verschmitztem Lächeln. Nach der Wahl aber wich die Lockerheit und Freude
bei Sieger Dvořák ziemlich rasch der Ernsthaftigkeit der Aufgaben, denen
sich der neue ČT-Chef zu stellen hat. Für seine anstehende Amtszeit
machte Dvořák dabei sofort klar:
„Zu Neuerungen habe ich sechs Jahre Zeit. Ich will es aber bereits in den ersten drei Jahren, die sehr hart werden, schaffen, mein Konzept in die Tat umzusetzen. Die zweite Hälfte meiner Amtszeit aber würde ich gern gemeinsam mit dem Fernsehrat und seinem Vorsitzenden nur noch genießen.“
Vor der Zeit des Genusses und der möglichen Lorbeeren aber gibt es viel
zu tun. Gleich mehrere Sendungen des Tschechischen Fernsehens finden keine
allzu große Akzeptanz beim Zuschauer, weil sie als langweilig, verstaubt
und nicht mehr zeitgemäß empfunden werden. In der Kritik steht auch das
Flaggschiff des Senders, die Sendung „Události“ (Ereignisse), die der
deutschen Tagesschau entspricht. Hierzu sagte Dvořák:
Petr Dvořák (Foto: ČTK)
„Ich stelle mir vor, dass die Sendung radikal geändert werden muss, und
zwar sowohl formell als auch inhaltlich. Technisch lässt sich diese
Veränderung jedoch nicht früher als nach einem halben Jahr vollziehen,
denn wenn diese Veränderung grundlegend und dauerhaft sein soll, dann kann
man jetzt nichts übers Knie brechen.“
Häufig vermisst wird im Tschechischen Fernsehen zudem ein Mehr an Witz und guter Satire. Das sieht Dvořák genauso:
„Ich denke, dass sowohl guter Humor als auch politische Satire gegenwärtig auf dem Bildschirm des Tschechischen Fernsehens fehlen.“
Um diese und weitere Veränderungen, wie zum Beispiel ein besseres Angebot
an Kinder- und Jugendsendungen, auf den Weg zu bringen, muss Dvořák jetzt
auch die personellen Voraussetzungen schaffen. Dazu wolle er zunächst mit
allen wichtigen TV-Mitarbeitern Gespräche führen. Allerdings ist Dvořák
schon jetzt der Meinung:
„Es gibt ein paar Leute, bei denen ich Zweifel habe, dass wir einen gemeinsamen Weg finden werden. Trotzdem will ich vorher gern mit jedem von ihnen reden.“
Er sei optimistisch, seine Vorhaben auch umsetzen zu können. Falls er aber nach drei Jahren nicht einmal 20 Prozent seines Konzepts verwirklicht habe, dann werde er auch sich in Frage stellen, ließ Dvořák abschließend durchblicken.







