Neue Seidenstraße: Bahn als Zukunftsmodell

Die neue Seidenstraße lebt. Mittlerweile kommen einmal die Woche Waren aus China mit dem Zug nach Tschechien.

Güterbahnhof Prag-Uhříněves (Foto: Petr Štefek, CC BY-SA 3.0 CZ)Güterbahnhof Prag-Uhříněves (Foto: Petr Štefek, CC BY-SA 3.0 CZ) Ende Juli rollte der erste Zug in Richtung Yiwu vom Güterbahnhof Prag-Uhříněves ab, dem neuen Tor Europas nach Fernost. Seit September ist die Verbindung zwischen China und Tschechien regelmäßig in Betrieb, einmal in der Woche fährt ein Zug planmäßig in das Reich der Mitte. Zuvor haben nur Sonderzüge auf der Strecke verkehrt, und zwar auf Bestellung. Ondřej Jašek vom Transportunternehmen DB Schenker Rail spricht von einem Boom der Eisenbahn auf der neuen Seidenstraße:

„Rund 15 Züge in der Woche kommen aus China in Europa an, in die andere Richtung sind es in etwa zehn. Es handelt sich dabei um sogenannte offene Züge, jedes interessierte Unternehmen kann die Güterwaggons mit eigenen Waren beladen. Im vergangenen Jahr sind rund 1500 Containerzüge auf den Strecken gefahren, in diesem Jahr könnten es laut aktuellen Statistiken rund 3000 sein.“

Michal Drábek (Foto: Archiv von Michal Drábek)Michal Drábek (Foto: Archiv von Michal Drábek) Rund 15 Tage braucht ein Direktzug aus China nach Tschechien. Der Warentransport auf der Schiene ist damit ökonomisch außerordentlich lohnend. Das beschreibt auch Michal Drábek von der Technischen Universität in Prag:

„Tatsächlich ist der Zug in etwa zwei- bis dreimal so teuer wie der Transport per Schiff. Dafür ist er aber doppelt so schnell. Der Transport auf der Schiene ist damit interessant für Waren mit einem hohen Mehrwert oder Waren, bei denen es leicht zu Ausfällen kommen kann.“

Damit ist der Warentransport per Zug ein günstiger Mittelweg, die Luftfracht ist nämlich nach wie vor sehr teuer. Die Preise für den Schienentransport sind jedoch aus noch einem anderen Grund relativ günstig. Peking subventioniert die Bahn massiv, sie soll nämlich Rückgrat des Konzepts „One belt, one road“ werden. Das ist die neue Seidenstraße, an die vor allem Staatspräsident Milos Zeman Tschechien anschließen will.

Hauptbahnhof in Yiwu (Foto: Zhangzhugang, CC BY-SA 4.0)Hauptbahnhof in Yiwu (Foto: Zhangzhugang, CC BY-SA 4.0) Außerdem ist die Eisenbahn vergleichsweise zuverlässig. Das ermögliche den Unternehmen eine langfristige Planung von Produktion und Versand, so Drábek.

Bevor die regelmäßige Verbindung zwischen Yiwu und Prag eröffnet wurde, lag der Endbahnhof in Polen. Danach mussten die Container umständlich auf Lkws verladen werden. Für China ist der Zug das Transportmittel der Zukunft, bereits jetzt investiert Peking viel in die Richtung. Doch gibt es noch Probleme auf der Strecke, wie Michal Drábek weiß:

„Die Chinesen modernisieren ihr Streckennetz massiv. In den vergangenen zehn Jahren sind zahlreiche zweigleisige Strecken entstanden. Da gibt es also keine Probleme. Eng wird es dann erst in Kasachstan, dort gibt es lange Abschnitte, die nur eingleisig befahrbar sind. Aber auch das mittelasiatische Land macht Fortschritte. Was wir außerdem in Angriff nehmen müssen, ist ein Ausbau der Warenschnittstellen in Europa.“

Schwachstelle der Strecke ist zudem die Grenze zwischen den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und der EU. Dort müssen die Container weiterhin auf Züge mit einer anderen Spurweite verladen werden.