Nachtasylanten erinnern an die Charta 77

Das Österreichische Kulturforum in Prag holt Künstler aus dem Wiener Nachtasyl an die Moldau.

Foto: Archiv des Österreichischen KulturforumsFoto: Archiv des Österreichischen Kulturforums Vor 40 Jahren wurde die Charta 77 aufgesetzt. Deshalb hat das Österreichische Kulturforum in Prag die Kunstausstellung Nachtasylanten eröffnet. Die Wiener Bar Nachtasyl galt Ende der 1980er Jahre als Zufluchtsort für tschechische Emigranten und Unterzeichner der Charta 77. Die vier Künstler der Ausstellung stammen alle aus dem Kreise des Lokals. Der Direktor des Österreichischen Kulturforums, Andreas Schmidinger, möchte mit der Ausstellung ein Zeichen setzen:

„Ich glaube, dass das Anliegen von Österreich früher immer war und auch bleiben wird, dass wir Menschen in Not nicht die Türen verschließen, wenn sie Hilfe brauchen. Diese Message haben wir eigentlich immer weiter gegeben und werden das auch heute tun, ob in Tschechien oder in anderen Ländern, weiterhin auch immer noch so tun.“

Jiří Chmel (Foto: Barbora Němcová)Jiří Chmel (Foto: Barbora Němcová) Die Reaktionen des Regimes auf die Charta 77 waren radikal. Den Unterzeichnern drohten damals hohe Strafen. Sie wurden sowohl psychisch als auch physisch unter Druck gesetzt und viele mussten ins Gefängnis. Den meisten jedoch wurde der tschechoslowakische Pass abgenommen und sie wurden zur Ausreise gezwungen.

Asyl bekam viele von ihnen im Nachbarland Österreich, das sie gerne aufnahm. So erging es auch dem Gründer des Nachtasyls, Jiří Chmel. Er verbrachte 18 Monate im Gefängnis, nachdem er die Charta unterschrieben hatte und mehrere Jahre lang in der Untergrundszene aktiv war. 1982 emigrierte er mit seiner Familie nach Wien. Fünf Jahre später entstand das Nachtasyl.

Noch heute ist das Nachtasyl eine Anlaufstelle für ehemalige Unterzeichner der Charta 77, sowie für andere Musiker, Maler und Literaten. Im Tagasyl, einem Raum oberhalb der Bar, finden regelmäßig Ausstellungen statt. Auch die Malerin Eva Vones hat dort schon im Jahr 1988 ihre Bilder ausgestellt. Ein paar ihrer Werke sind nun Teil der Ausstellung im Österreichischen Kulturforum in Prag. Genauso verhält es sich mit den Kunstwerken von Ondřej Kohout, dem Ehemann von Eva Vones. Er hat damals die Charta 77 unterschrieben und musste infolge dessen die Tschechoslowakei verlassen. Eva Vones folgte ihm nach Österreich, wo sie sich gemeinsam ein neues Leben aufbauten. Sie statteten dem Nachtasyl oft einen Besuch ab und sind dort auch heute noch regelmäßig anzutreffen. Die politische Aufbruchsstimmung der ausgehenden 1980er Jahre hat die Kunstwerke von Eva Vones und Ondřej Kohout beeinflusst. Eva Vones:

Ondřej Kohout (Foto: Tschechisches Fernsehen)Ondřej Kohout (Foto: Tschechisches Fernsehen) „Wir waren schon 1981 in Österreich. Dort haben wir dann bereits die Freiheit bzw. die Zukunft gespürt. Man hat sich im Zuge dessen dann auch anders entwickelt. Uns wurde gesagt, dass unsere Bilder nicht mehr so düster seien und Licht bekommen hätten.“

Ondřej Kohout beschäftigt sich in seinen Bildern mit der Veränderung eines Menschen, der sich im Laufe der Zeit vom Biertrinker zum Sportler entwickelt hat. Eva Vones verbildlicht in ihren Werken das Phänomen der Zeit. Dabei interessiert sie vor allem der Einfluss der Zeit auf Tiere, Menschen und Pflanzen.

Neben Ondřej Kohout und Eva Vones zeigt das Österreichische Kulturforum auch noch die Kunstwerke der Nachtasylanten Václav Gruša und Tomáš Haleš. Václav Gruša begleitete die Ausstellungseröffnung mit einer Lesung seiner Gedichte.