Nachruf: Bedřich Utitz kämpfte für Freiheit, freies Wort und Wahrheit

Bedřich Utitz ist tot. Am 13. Februar ist der Kriegsveteran und ehemalige Journalist im Alter von 96 Jahren verstorben. Utitz hatte ein bewegtes Leben, das ihn auch an einige Brennpunkte der Weltgeschichte führte. Als Journalist arbeitete er unter anderem im Tschechoslowakischen Rundfunk, wo er in den 1960er Jahren die deutschsprachige Redaktion von Radio Prag leitete.

Bedřich Utitz (Foto: Archiv der Tschechisch-israelischen Handelskammer)Bedřich Utitz (Foto: Archiv der Tschechisch-israelischen Handelskammer) Bedřich Utitz wurde am 20. November 1920 in Wien geboren. Er stammte aus einer jüdischen Familie, der Vater kam aus Böhmen. Als er 12 war, kehrte die Familie dorthin zurück, Utitz besuchte ein deutsches Gymnasium in Prag. Im April 1939 aber flüchtete er vor dem Nationalsozialismus nach Palästina. Im Zweiten Weltkrieg nahm Utitz an den Kämpfen bei Tobruk teil und kämpfte mit der tschechoslowakischen Brigade 1944 bei Dunkerque. Nach dem Krieg arbeitete er jahrelang im Rundfunk. Gegenüber Radio Prag sagte er:

„Im Jahr 1956 habe ich als Redakteur der Auslandssendungen in deutscher Sprache angefangen. Später wurde ich stellvertretender Redaktionsleiter. Wann genau ich dann Leiter der deutschen Sektion geworden bin, daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Danach folgte jedenfalls die Position des Chefredakteurs der so genannten Zentralredaktion von Radio Prag, in der die Programmsparten Inland, Ausland, Kultur und Musik integriert waren.“

Willy Brandt (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F057884-0009 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0)Willy Brandt (Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F057884-0009 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0) In seiner journalistischen Arbeit war Utitz aufgeschlossen und kritisch, auch gegenüber der kommunistischen Doktrin. Das brachte ihm mehrfach Ärger ein, deshalb wurde er für zwei Jahre „strafversetzt“, und zwar nach Kuba. Später betonte er immer wieder, dass er diese beiden Jahre nicht missen möchte. Den Unmut der Parteioberen oder Vorgesetzten zogen sich Utitz und seine Redaktionskollegen beispielsweise zu mit einem sehr positiven Kommentar über Willy Brandt als Oberbürgermeister von Westberlin. Und es gab noch so einen Fall, schilderte Utitz unserem Sender:

„Damals wurden im Prager Repräsentationshaus regelmäßig die bekannten Abenddiskussionen veranstaltet. Zur Sprache kam einmal auch die berühmte Rede Nikita Chruschtschows gegen die Lockerung im Kulturbereich in der Sowjetunion. Der damalige Vorsitzende des Schriftstellerverbandes, Prof. Eduard Goldstücker, schätzte zwar in einer Reaktion die Persönlichkeit Chruschtschows hoch ein, mit seiner Kritik wollte er sich aber nicht identifizieren. Das war ungefähr um neun Uhr abends, und wir haben das sofort gesendet. Doch noch vorher kam das Verbot, es zu senden. Ich habe aber so getan, als ob ich dieses Verbot nicht gehört hätte.“

In der Zeit des Prager Frühlings lebte auch Utitz richtig auf. Den DDR-Behörden war seine Arbeit jedoch ein Dorn im Auge. Deswegen musste er nach der Niederschlagung der Reformbewegung mit Berufsverbot und weiteren Repressalien rechnen. Utitz aber ging rechtzeitig in den Westen:

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio PragFoto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag „In den Jahren 1967 und 1968 hatte ich sehr viel mit deutschen Kollegen zusammen gearbeitet, die damals nach Prag gekommen waren, um nach Informationen zu suchen. Dadurch habe ich gute Kontakte knüpfen können. Schon in dieser Zeit habe ich mich der Berichterstattung von Prag aus gewidmet. In Deutschland selbst war ich dann aber nie fest angestellt. Da beinahe jedes Bundesland seinen eigenen Sender hatte, konnte ich vielmehr für verschiedene Rundfunkanstalten arbeiten.“

In seiner neuen Wahlheimat engagierte sich Utitz auch anderweitig. 1971 gründete er zusammen mit Adolf Müller in Köln den Exilverlag Index. Dort erschienen bis zur Wende im Jahr 1989 rund 200 Bücher von in der Tschechoslowakei verboten Autoren. Seit 2005 lebte Utitz wieder in Prag. 1998 wurde ihm der Tomáš-Garrigue-Masaryk-Orden verliehen. Vor drei Jahren wurde er mit dem Arnošt-Lustig-Preis ausgezeichnet.