Nach trockenem Sommer: Tschechien droht Borkenkäferplage

Trockene Sommer und milde Winter: für die Wälder Gift, für den Borkenkäfer aber das Paradies. Nach zwei solchen Jahren muss sich Tschechien erneut auf eine Plage des Schädlings wie zuletzt in den 1990ern vorbereiten. Auch das Landwirtschaftsministerium ist schon alarmiert.

Foto: Lucie Hochmanová, Archiv des Tschechischen RundfunksFoto: Lucie Hochmanová, Archiv des Tschechischen Rundfunks Bereits Anfang März ging die staatliche Forstverwaltung an die Öffentlichkeit. Am Montag erläuterte der produktionstechnische Leiter der Staatsforste, Václav Lidinský, dann in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

„Die Lage ist relativ ernst. Falls der kommende Sommer ähnlich verläuft wie der vergangene, das heißt, es treffen extreme hohe Temperaturen und Trockenheit zusammen, könnte dies die Fichtenbestände schwer schädigen. Dann droht eine Borkenkäferplage. Am wahrscheinlichsten ist dies in Nordostmähren. Dort sind die Fichtenwälder aus mehreren Gründen schon seit längerem geschwächt. Außerdem geht es um die Fichtenbestände in den niederen Lagen, wo schon seit geraumer Zeit die Bodenfeuchtigkeit fehlt.“

Borkenkäfer (Foto: Rafal Konieczny, Creative Commons 3.0)Borkenkäfer (Foto: Rafal Konieczny, Creative Commons 3.0) Der Kampf gegen den Borkenkäfer hat dabei schon längst begonnen. Denn Fichten reagieren sehr empfindlich auf Schwankungen bei der Bodenfeuchtigkeit. So auch in den Wäldern um den Truppenübungsplatz Libavá in den Oderbergen nordöstlich von Olomouc / Olmütz. Schon im vergangenen Jahr wurden dort mehrere Hunderttausend Kubikmeter Holz geschlagen. Und dieses Jahr dürfte es noch schlimmer werden, sagt Jan Jeniš von der Forst- und Güterverwaltung der tschechischen Armee.

„Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres werden sich noch die Folgen der Trockenheit aus dem vergangenen Jahr zeigen. Bei vielen Fichten ist die Rinde beschädigt, und die Bäume trocknen dann langsam aus.“

Foto: ČTKFoto: ČTK In solch einer Lage haben es Schädlinge wie der Borkenkäfer relativ einfach. Also werden bereits befallene Bäume gefällt, entrindet und abtransportiert. Tomáš Beloka ist Förster in den Wäldern um Libavá:

„Wir müssen bis Ende März bis zu 600 Meter Meereshöhe alle Bäume bearbeiten, die vom Borkenkäfer befallen sind und gefällt werden.“

Das aber könnte heißen, dass der Markt überschwemmt wird von Holz. Wenn die Preise dann etwa in den Keller gehen, sind wirtschaftliche Existenzen bedroht. Deswegen sagt Staatssekretär Patrik Mlynář aus dem Landwirtschaftsministerium in Prag:

Václav Lidický (Foto: Archiv der Staatsforste)Václav Lidický (Foto: Archiv der Staatsforste) „Wir erwarten dreimal mehr Schäden durch den Borkenkäfer als im vergangenen Jahr. Wir wollen ein Hilfsprogramm für Waldbesitzer und Holzproduzenten auflegen für den Fall, dass mehr Holz auf den Markt kommt als 2015.“

Um die Schäden zu begrenzen, will die staatliche Forstverwaltung insgesamt etwa 240.000 Fallen für den Borkenkäfer aufstellen. Doch dies sind nur kurzfristige Maßnahmen. Langfristig hilft etwas anderes, sagt Václav Lidinský.

„Die staatliche Forstverwaltung, wie auch die anderen Waldbesitzer, forsten mit vielen verschiedenen Baumarten auf. Denn nur mit einem bunten Baumbestand lässt sich verhindern, dass uns in Zukunft irgendeines der Hölzer solche Probleme bereitet wie derzeit die Fichte“, so Lidinský.