Tagesecho Nach 19 Jahren wieder auf dem Wenzelsplatz: Gesichter der Macht
28 Fotos von Befehlshabern des kommunistischen Geheimdienstes StB, die zu den führenden StB-Mitarbeitern in Prag und in Mittelböhmen gehörten, kann man seit Freitag auf dem Prager Wenzelsplatz besichtigen. Die Ausstellung mit dem Titel „Gesichter der Macht“ knüpft an die gleichnamige Fotoausstellung an, die das Institut zum Studium totalitärer Regime in Brünn installiert hat. Mehr von Martina Schneibergová.
'Gesichter der Macht'
Jaroslav Bartoň - in den 60er Jahren stellvertretender Befehlshaber der
Wirtschafts-Spionage. Miloslav Košnar – für die Säuberungen im
Innenministerium in den 70er Jahren verantwortlich. Aber auch
beispielsweise General Bohumil Carda, der in den 80er Jahren die Eingriffe
der Sicherheitskräfte gegen die Demonstranten zum Beispiel während der so
genannten „Palach-Woche“ im Januar 1989 geleitet hat. Die Mitarbeiter
des Instituts zum Studium totalitärer Regime wollen mit ihrer Ausstellung
die Vertreter der Macht darstellen, die den geheimen Teil der
kommunistischen Politik in die Tat umgesetzt hatten.
'Gesichter der Macht'
„Das Ziel ist es, das Antlitz der Macht zu zeigen, die konkreten
Menschen vorzustellen, die sich an der Verfolgung unschuldiger Menschen
beteiligten,“
sagt Pressesprecher des Instituts Jiří Reichel.
Die Schwarz-Weiß-Fotos der Befehlshaber des kommunistischen Geheimdienstes, von denen einige noch am Leben sind, sind mit Angaben zu deren Bildung und Karriere ergänzt. Gezeigt werden auch Dokumente, die sich auf die Tätigkeit der Geheimdienstler beziehen – wie beispielsweise verschiedene Zeugnisse über Ernennungen und Auszeichnungen.
'Gesichter der Macht'
Auf einigen Fotos sind Mitglieder des Geheimdienstes zu sehen, die
beauftragt waren, den so genannten „inneren Feind“ zu bekämpfen, sagt
der Historiker Milan Bárta:
„Das waren tschechoslowakische Bürger, die unbequem waren und die egal aus welchem Grund das Interesse des kommunistischen Regimes erweckt haben.“
'Gesichter der Macht'
Die veröffentlichten Angaben wurden aus Archiven übernommen. Die
Historiker stellen sie nun auf der Straße aus, um sie den Menschen so
näher zu bringen.
Es sollte mehrere solcher Ausstellungen vor allem im öffentlichen Raum geben, meint ein Passant. Er erklärte, dass allein ein Foto oft schon einen starken Eindruck hinterlassen kann, auch wenn man nicht die gesamten Texte durchliest:
„Das sind sicher sehr interessante Informationen, denn bislang wurden nur Ausstellungen über Opfer des Kommunismus gezeigt, aber hier sind die Täter zu sehen, die diese Verbrechen begangen haben. Ich meine, dass es eine Wanderausstellung sein müsste, die auch in kleineren Gemeinden auf dem Lande gezeigt werden sollte. Die Wähler, die den Kommunisten den Weg in die Regionalregierungen eröffnet haben, sind oft verbitterte Leute, aber jüngeren Leuten könnte diese Ausstellung vielleicht doch noch die Augen öffnen.“
Fotos: Autorin








