Mut und Zivilcourage: Dana Němcová mit Arnošt-Lustig-Preis ausgezeichnet

Mut, Menschlichkeit und Gerechtigkeit – dies sind einige der Tugenden, für die jemand den Arnošt-Lustig-Preis erhält. Am Dienstag wurde die Psychologin und Charta-77-Sprecherin Dana Němcová mit dem Preis ausgezeichnet.

Dana Němcová wurde mit dem Preis ausgezeichnet (Foto: ČTK)Dana Němcová wurde mit dem Preis ausgezeichnet (Foto: ČTK) „Frau Dana Němcová verkörpert einen kämpferischen Humanismus“, dies erklärte Pavel Smutný. Er ist Begründer des Arnošt-Lustig-Preises, der seit 2012 für die Verbreitung moralischer Werte in der Gesellschaft verliehen wird.

Dana Němcová ist Psychologin. Als eine der ersten unterzeichnete sie die Menschenrechtspetition Charta 77, später war sie Sprecherin der gleichnamigen Bürgerrechtsbewegung. Sie beteiligte sich 1978 zudem an der Gründung des Komitees der zu Unrecht Verfolgten (VONS). Selbst saß sie auch zweimal im Gefängnis. 1988 gehörte die Dissidentin zu den Begründern des tschechoslowakischen Helsinki-Komitees. Vor kurzem erinnerte sich Němcová in einem Gespräch für den Tschechischen Rundfunk, dass Ende der 1980er Jahren bereits einige Teile der tschechoslowakischen Gesellschaft dem Druck des kommunistischen Regimes trotzten:

„Weitere regimekritische Bewegungen haben sich uns angeschlossen. Die Menschen hatten mehr Mut als zuvor. Die von der Charta 77 im Frühjahr 1989 veröffentlichte Erklärung ,Einige Sätze‘ unterschrieben dann relativ viele Menschen. Hinzu kamen auch verschiedene humorvolle Happenings, die die sogenannte ,Gesellschaft für eine lustigere Gegenwart‘ veranstaltete.“

Illustrationsfoto: World Bank Photo Collection via Foter.com / CC BY-NC-NDIllustrationsfoto: World Bank Photo Collection via Foter.com / CC BY-NC-ND Nach der Wende von 1989 wurde Dana Němcová in das tschechoslowakische Parlament gewählt. Sie engagierte sich stark in der Flüchtlingshilfe, als die Menschen in den 1990er Jahren vor allem aus Bosnien in die Tschechoslowakei flohen.

„Die ersten Flüchtlinge habe ich bei mir zu Hause aufgenommen. Mit der Zeit entstanden dann Zentren für humanitäre Hilfe, und wir haben eine Beratungsstelle für Flüchtlinge eröffnet.“

Bis heute treiben Dana Němcová gesellschaftliche Probleme um. So warnte sie in ihrer Rede anlässlich der Preisverleihung:

„Der Fremdenhass, der Populismus und der Argwohn missbrauchen und gefährden uns.“

Olga Havlová (Foto: ČT24)Olga Havlová (Foto: ČT24) Ihren Worten zufolge fehlen den Menschen heute Vorbilder sowie die Überzeugung, für etwas kämpfen zu müssen. Dana Němcová ist unermüdlich in ihrem Einsatz. Seit dem Tod von Václav Havels Ehefrau Olga 1996 leitet sie die Olga-Havlová-Stiftung. Die Kraft finde sie im Glauben und bei ihren Kindern, sagte Němcová dem Tschechischen Rundfunk:

„Die Zivilgesellschaft ist mein Metier. Eigentlich sollte ich mich nach einem Seniorenheim umsehen. Aber meine Kinder lassen das nicht zu. Ich habe gute Kinder und gute Freunde. Ich bin eine Optimistin, was die Zukunft betrifft. Denn die Wahrheit und die Liebe müssen siegen.“

Der Arnošt-Lustig-Preis wird seit 2012 verliehen. Über den Preisträger entscheidet ein Komitee, es besteht aus 14 Persönlichkeiten der tschechischen Kultur, Politik und Wissenschaft. In den vergangenen Jahren hat es unter anderem den Prager Bischof und ehemalige Dissidenten Václav Malý, den Kriegsveteran Bedřich Utitz und den Schriftsteller Jiří Stránský ausgezeichnet.