Tagesecho Musik über die Grenze hinweg

18-10-2005 15:33 | Bára Procházková

Musik über die Grenzen hinweg - dies schafft seit fünf Jahren die Musikgruppe Cinna, und überquert dabei die tschechisch-österreichische Grenze. Wie Tschechen und Österreicher gemeinsam Musik machen beschreibt Bara Prochazkova.

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Cinna (Foto: www.cinna.cz)Cinna (Foto: www.cinna.cz) Seit zwölf Jahren gibt es die tschechische Band Cinna und seit fünf Jahren spielt auch der österreichische Sänger und Violoncellist Johannes Langer mit. Die Musikgruppe beschränkt sich jedoch nicht nur auf Tschechisch und Deutsch, auf der CD "Wind und Stille" sind insgesamt sieben Sprachen zu hören. Eine Spezialität dabei: jüdische Chansons im jiddischen Original. Cinna, was übrigens auf Alttschechisch "schlechtes Wetter" heißt, verleiht Gedichten eine musikalische Form, die Texte von Christian Morgenstern, Victor Hugo und vielen anderen Dichtern werden zu Chansons. Wenn Tschechen und Österreicher gemeinsam Musik machen, bringt das jedoch auch Schwierigkeiten mit sich. Der Pianist Petr Soudek dazu:

"Erstens kommt unser Sänger aus einer anderen Kultur und ist in einem freien Land aufgewachsen. Das merkt man vor allem bei Feinheiten und beim Wahrnehmen der freien Meinungsäußerung. Viele Wörter haben für ihn eine andere Bedeutung. Es handelt sich wirklich nur um Kleinigkeiten. Man stellt dann fest, dass das Wort an sich dasselbe ist, aber es hat eine andere Bedeutung. Es handelt sich um sprachliche Verschiebungen, mit denen sich unter anderem Sprachwissenschaftler und Dolmetscher beschäftigen. Das ist vor allem in der Dichtung so, dort fallen Sprachverschiebungen besonders auf."

So nehmen Tschechen und Österreicher einige Begriffe anders wahr. Zum Beispiel das Wort "Adel", dessen Bedeutung in den beiden Sprachen variiert, fügt Petr Soudek hinzu. Die sechs Musiker treffen sich ungefähr einmal pro Monat zum Konzert, entweder in Tschechien oder in Wien. Die Musik bleibt gleich, die Zusammensetzung des Publikums ist jedoch eine andere, bestätigt der Prager Petr Soudek:

"Ich glaube, dass die Stadt Wien im Gegensatz zu Tschechien sehr klassisch orientiert ist, also viel mit klassischer Musik verbunden. Die Weltmusik ist allerdings auch vertreten. Im Bereich der alternativen Musik gibt es jedoch in Prag wesentlich mehr Angebot als in Wien. Umgekehrt ist es bei der klassischen Musik. Das Publikum in Österreich ist nicht so vielseitig, was die unterschiedlichen Stilrichtungen betrifft, dafür aber fähig, mehr aufzunehmen."

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