Tagesecho Mülltourismus aus Deutschland erhitzt wieder die Gemüter

10-01-2006 15:28 | Gerald Schubert

Europa wächst zusammen, Grenzen öffnen sich. Innerhalb der EU gilt der freie Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital. Und auch von Abfall, werden manche Tschechen, die im Grenzgebiet leben, vielleicht bitter hinzufügen. Denn vor allem in der Nähe der deutschen Grenze kann man immer wieder beobachten, wie Müll aus dem Nachbarland einfach nach Tschechien gekippt wird. Legal ist das aber in der Regel nicht. Gerald Schubert berichtet.

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Fast mit trauriger Regelmäßigkeit taucht er in den tschechischen Medien auf: Müll aus Deutschland, der klammheimlich in Tschechien entsorgt wird. Ein paar Plastiksäcke am Straßenrand, voll gestopft mit Konservendosen, leeren Milchpackungen und Babywindeln. Der Inhalt verrät manchmal die deutsche Herkunft des Mistes, hin und wieder wird jemand auf frischer Tat ertappt.

In letzter Zeit hat sich dieses Phänomen sozusagen kommerzialisiert, Abfall wird auch gewerblich nach Tschechien transportiert. Und zwar oft illegal. Von einem Fall, der sich erst vergangene Woche ereignet hat, berichtet Jiri Nejedly, Pressesprecher der Zolldirektion im nordböhmischen Usti nad Labem / Aussig:

"Wir haben gemeinsam mit der Tschechischen Umweltinspektion auf dem Areal einer großen Rinderfarm im Bezirk Libceves eine Kontrolle durchgeführt. Dabei sind wir auf erhebliche Abfallmengen gestoßen. Außerdem waren in dem Moment, als die Kontrolleure angekommen sind, gerade drei Lastwagen vor Ort - zwei davon bereits leer."

Der dritte hatte - im Widerspruch zu den Speditionspapieren - Abfall geladen. Um 22 Uhr desselben Tages kamen die Inspekteure noch einmal zurück. Diesmal fanden sie drei leere LKW und einen vollen. Es handle sich nicht um den ersten Fall dieser Art, sagt Nejedly, ähnliche Fälle hätte es bereits Ende vergangenen Jahres gegeben.

Auf einer Deponie in der Nähe von Teplice / Teplitz wird der Müll jetzt von Experten untersucht. Gibt es bei der Lösung des Problems Mülltourismus auch eine Kooperation mit den deutschen Behörden? Jiri Nejedly von der nordböhmischen Zolldirektion:

"Ja, wir arbeiten mit dem entsprechenden Referat der Grenzpolizei gut zusammen. Im Rahmen gemeinsamer Aktionen geben uns die Kollegen Hinweise auf Fahrzeuge, die möglicherweise Abfall transportieren. Denn in ihre eigene Kompetenz fällt das nicht."

Derzeit wird untersucht, welche Gesetze in dem aktuellen Fall verletzt wurden. Das betroffene Grundstück ist zwar Privateigentum, für die Einfuhr von Müll braucht man aber eine Genehmigung. Möglicherweise also wird der beschlagnahmte Mist, der billig beseitigt werden sollte, bald wieder nach Deutschland wandern.

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