Tagesecho Mit dem Trink-Taxi nach Monaco
Sie haben getrunken, aber immerhin noch so viel Verstand beieinander, sich nicht hinter das Steuer zu setzen, um ins eigene Bett zu kommen. Sie bestellen ein besonderes Taxi, auch Trink-Taxi genannt. Das bringt nicht nur Sie, sondern auch Ihren Wagen nach Hause. In den letzten paar Jahren sind diese Taxi-Unternehmen vor allem in Prag wie Pilze aus dem Boden geschossen. Und gerade zu dieser Jahreszeit haben Sie Hochkonjunktur.
Trink-Taxi
„Gorazdova 14, Prag 2. Dort steht ein Audi A4“, meldet die Zentrale
eines Taxi-Unternehmens ihrem Fahrer. Er und sein Kollege kommen mit einem
Wagen zum Kunden und fahren mit zwei Wagen wieder davon. Nämlich
zusätzlich mit dem Wagen des Kunden. Der hat in der Regel ein wenig zu
tief ins Glas geschaut, müsste seinen Wagen stehen lassen, möchte aber
auf sein Garagen-Schätzchen nicht verzichten. Er beauftragt also ein so
genanntes Trink-Taxi. Das bringt ihn auf dem Beifahrersitz seines eigenen
Gefährts sicher nach Hause.
Foto: Portal Praha
In den letzten paar Jahren hat die Zahl dieser besonderen Taxi-Unternehmen
in Prag und anderen tschechischen Städten rasant zugenommen. Die Nachfrage
ist groß, vor allem zwischen 22 und 02 Uhr morgens. Die Unternehmen
können um Weihnachten und Silvester viele Aufträge gar nicht mehr
annehmen:
„Es sind 20 bis 30 Prozent der Aufträge, die wir in dieser Zeit einfach nicht schaffen. Da müssen wir uns bei den Kunden entschuldigen.“
Sagt der Geschäftsführer eines der Prager Trink-Taxi-Unternehmen. Was zu
dieser Jahreszeit den Fahrern auch noch einen Strich durch die Rechung
machen kann, sind Schnee und Eis. Und wenn eine Taxi-Frau am Steuer sitzt
und den Wagen des Kunden nach Hause lenken muss, dann kann auch sie von
einigen Problemen berichten.
„Es gibt Männer, denen es etwas ausmacht, wenn ich als Frau ihren Wagen nach Hause steuere. Die sind sehr pingelig und achten genauestens darauf, wie ich fahre und wie ich mit ihrem Auto umgehe. Sie kontrollieren einfach alles.“
Und das eben auch noch, wenn sie ordentlich einen im Kahn haben, sagt
diese Trink-Taxi-Fahrerin über ihre männlichen Kunden.
Die Dienste eines Trink-Taxis nutzen vor allem Tschechen. Wenn aber ein Ausländer ein Trink-Taxi bestellt, der kein Tschechisch spricht und gleichzeitig auf einen Taxifahrer trifft, der auch keiner Fremdsprache mächtig ist, dann kann es leicht in eine Odyssee ausarten, wie dieser Fahrer berichtet:
„Wir hatten ihn die ganze Nacht im Wagen – natürlich hat der Kunde
alles korrekt bezahlt. Aber wir mussten ihn nach irgendeiner Adresse
absuchen, wir wussten einfach nicht, wo er wohnt. Wir hatten fünf Stunden
mit ihm zu tun. Am Ende haben wir zum Glück doch irgendeine Adresse bei
ihm gefunden.“
Und immer wieder kommen die Kunden auch mit besonderen Wünsche: zum Beispiel, dass man sie und ihr Auto doch bitte in die Schweiz fährt oder nach Mailand:
„Unser weitestes Ziel war Monaco – inklusive Übernachtung in Monaco.“
Erzählt - immer noch beeindruckt - diese Prager Trink-Taxi-Unternehmerin.








