Tagesecho Ministerpräsident Platzeck: Erinnerungsarbeit ist auch im 21. Jahrhundert sehr wichtig
Am Montag und am Dienstagvormittag war der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck zu Besuch in Tschechien. Zu den Inhalten seiner Reise stand der brandenburgische Landesvater beim Pressegespräch in der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer in Prag auch Radio Prag Rede und Antwort.
Eine Station seiner Reise nach Tschechien war auch die Gedenkstätte Theresienstadt. Zu den Hintergründen des Besuchs der Kleinen Festung und ihrer Gedenkstätte sagte Platzeck:
Matthias Platzeck (Foto: Sebastian Gabsch)
„Wir waren zunächst in Theresienstadt. Ich bin Schirmherr der
Stiftungsgründung, weil ich der festen Überzeugung bin, dass das, was
sich die Damen und Herren dort vorgenommen haben, wirklich Sinn macht. Sie
wollen die Erinnerungsarbeit unter neuen Rahmenbedingungen in dieses
Jahrhundert tragen, und das halte ich für eine sehr wichtige Aufgabe.
Aktuelle Entwicklungen in Europa zeigen auch warum. In verschiedenen
Ländern treffen wir nämlich immer häufiger nationalistische
Denkhaltungen und teilweise sogar fremdenfeindliche Meinungen an.
Veränderte Bedingungen in der Erinnerungsarbeit heißt: Wir haben in den
vergangenen Jahrzehnten in allen Gedenkstätten sehr viel mit Zeitzeugen
arbeiten können, was immer sehr eindrucksvoll ist, weil es Menschen
erreicht, vor allem junge Leute. Es ist jetzt nur noch eine Frage der
Jahre, wann uns diese Zeitzeugen nicht mehr zur Verfügung stehen.
Das wird
in Kürze sein. Wir haben vor kurzem den 65. Jahrestag der Befreiung der
Konzentrationslager Ravensbrück und Sachsenhausen gefeiert, und viele der
überlebenden Häftlinge haben mir gesagt, es wird ihre letzte Reise
gewesen sein. Sie werden zum nächsten Jubiläum nicht mehr anreisen
können.
Das heißt, wir brauchen neue Formen des Erinnerns, neue Formen des Gedenkens und auch neue Formen in der Erinnerungsarbeit. Denn diese Arbeit ist mehr als Forschen und Dokumentieren, man muss Menschen auch erreichen! Zukunft braucht Herkunft, und genau daran orientiert man sich in Theresienstadt. Das halte ich für eine sehr gute und sinnvolle Aufgabe, und deshalb versuchen wir uns auch mit unseren Mitteln und Möglichkeiten dort einzubringen.“
Karel Schwarzenberg (Foto: www.vlada.cz)
Für ihn, so Platzeck, sei die Arbeit der Gedenkstätte in Terezín /
Theresienstadt bereits eine Herzenssache geworden und das Land Brandenburg
habe dafür auch wieder eine kleine finanzielle Unterstützung locker
gemacht, ergänzte der Ministerpräsident. Am Montag traf Platzeck zudem
mit dem tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg zusammen. In ihren
Gesprächen spielte dabei auch das Thema Hochwasser eine Rolle. Generell
sei das ein grenzüberschreitendes Thema. Wie Polen habe Brandenburg auch
schon von der beiderseitigen Hilfe profitiert, sagte Platzeck und fuhr
fort:
„Neben der gegenseitigen Hilfe gibt es noch zwei weitere Aspekte. Zum einen muss die Informationsweitergabe noch qualifiziert werden. Dazu müssen wir auch einen gemeinsamen Standard finden. Und drittens gilt es stets die Frage zu beantworten: Wo ist es sinnvoll, Gelder einzusetzen, wo bringen sie den höchsten Effekt? Ich erkläre das mal an einem einfachen Beispiel: Wenn man im Unterlauf eines Flusses für viel Geld die Deiche zurückverlegt, um dem Fluss mehr Ausbreitungsfläche zu geben, ist das nicht schlecht. Aber: Dasselbe Geld am Oberlauf eingesetzt, hätte einen höheren Effekt für die Hochwasservermeidung. Das muss man zwischen den Ländern mal diskutieren.“








