Tagesecho Minister Necas will Sozialausgaben einsparen - Anreiz beim Elterngeld

20-03-2007 15:19 | Lothar Martin

Die tschechische Regierung unter Premier Mirek Topolanek hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, die öffentlichen Finanzen zu sanieren. Das wollte auch die Vorgängerregierung unter Sozialdemokratenchef Jiri Paroubek, aber mit anderen Schwerpunkten. Das Topolanek-Kabinett setzt vor allem auf Einsparungen, und zwar im administrativen und im sozialen Bereich. Einem Vorschlag von Arbeits- und Sozialminister Petr Necas (ODS) zufolge könnten gerade im sozialen Bereich bis zu 23 Milliarden Kronen gespart werden. Näheres dazu von Lothar Martin.

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Petr Necas (Foto: CTK)Petr Necas (Foto: CTK) Petr Necas will ab kommendem Jahr die staatlichen Sozialleistungen kürzen. Zumindest auf längere Sicht. Zum Beispiel beim Elterngeld. Seinen Vorstellungen nach soll das Elterngeld in Zukunft nicht mehr vier Jahre lang in gleicher Höhe gezahlt werden, sondern je nach Wunsch zwischen zwei und vier Jahren. Und das mit einem finanziellen Anreiz. Denn Eltern, die sich entscheiden, zur Erziehung ihres Kindes nur zwei Jahre lang der Arbeit fern zu bleiben, sollen monatlich 11.400 Kronen (ca. 405 Euro) erhalten. Wollen sie drei Jahre mit ihrem Kind zu Hause bleiben, bekämen sie monatlich 7600 Kronen (ca. 270 Euro). Bei einer Zeitdauer von vier Jahren wären es gar nur 3800 Kronen (ca. 135 Euro) im Monat. Unsere externe Mitarbeiterin Marketa Kachlikova, zurzeit selbst eine junge Mutter, begrüßt diesen Vorschlag:

"Das ist meiner Meinung nach eine gute Idee, denn sie überlässt den Eltern selbst die Entscheidung, wann die Mutter wieder zur Arbeit geht. Ich glaube, wenn man vier Jahre lang relativ viel Geld bekommt, dann ist die Motivation zu arbeiten eigentlich gering. Ich glaube aber, es ist immer gut, die Leute zur Arbeit zu motivieren."

Eltern, die sich für die beiden kürzeren Varianten entscheiden, erhielten somit vom Staat für zwei bzw. drei Jahre einen Zuschuss von je 273.600 Kronen (ca. 9750 Euro). Bei einer vierjährigen Auszahlung wären es aber lediglich 182.400 Kronen (ca. 6500 Euro). Der Trend ist also klar: Weniger (Monate) bringt mehr (Geld)! Dabei ist das derzeit gezahlte Elterngeld, das erst zu Jahresbeginn auf 7582 Kronen aufgestockt wurde, auch nicht zu verachten.

"Also meiner Meinung nach ist das relativ viel Geld. Ich bekomme es erst seit Januar. Bis Ende des letzten Jahres war das anders, da war es nur die Hälfte. Aber jetzt haben wir schon zweimal das ´große Geld´ bekommen, und ich muss sagen: Es ist eigentlich ziemlich viel", ergänzt Marketa Kachlikova.

Es bleibt daher spannend zu verfolgen, auf welches Pro und Kontra der Arbeits- und Sozialminister treffen wird, wenn sein Vorschlag im Parlament behandelt wird.

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