Tagesecho Milowitz 10 Jahre nach dem Abzug der sowjetischen Truppen
Vor zehn Jahren, im Juni 1991 hat der letzte sowjetische Soldat die Tschechoslowakei verlassen. Fast als ein Synonym für die Sowjetarmee galt in Tschechien Milovice - Milowitz, der Name eines mittelböhmischen Städtchens, in dem die Truppen stationiert waren. Hören Sie mehr dazu im folgenden Beitrag von Markéta Maurová.
Milovice / Milowitz
In Milowitz ist für das Wochenende vom 22.-24. Juni eine
Erinnerungsveranstaltung anlässlich des 10. Jahrestags des Abzugs der
sowjetischen Truppen geplant. Man bereitet ein Treffen der
Stadtrepräsentanten, der Augenzeugen und der Bürger, die Enthüllung einer
Gedenktafel, aber auch verschiedene Unterhaltungsaktionen vor, wie etwa
Fahrten mit einem historischen Zug, Aussichtsflüge, Wettbewerbe für Kinder,
ein Konzert und einen Tanzabend. In der ganzen Tschechoslowakei wurde der
Abzug der Truppen vor zehn Jahren mit Begeisterung gefeiert. Wie sah es
direkt in Milowitz aus, fragte ich dessen Bürgermeisterin, Stanislava
Matejkova.
Milovice / Milowitz
"Milowitz war durch den Aufenthalt der Armee immer in zwei Teile geteilt: In
den alten, ursprünglichen Teil und dann in en ehemaligen Militärraum. Dieser
blieb nach dem Abzug verlassen und wurde durch die Tschechische Armee
bewacht. Ich kann mich an die Atmosphäre in Milowitz damals kaum erinnern.
Ich würde nicht sagen, dass jemand gewinkt und geklatscht hätte. Aber
natürlich haben wir dass mit Dank angenommen. Es vereinfachte den Verkehr
auf den Straßen, es flogen keine Flugzeuge mehr dicht über den Schornsteinen
- also, ja es war eine Erleichterung und wir haben das sicher alle dankend
aufgenommen."
Milovice / Milowitz
Milowitz wurde aber auch vor die Aufgabe gestellt, die verlassene Stadt
wiederzubeleben. Im Jahre 1996 erhielt es Subventionen für die Renovierung
der Plattenbauten und bis zum Ende des Jahres 1997 wurden alle renovierten
Wohnungen, die früher von Soldaten bewohnt wurden, neu besiedelt. Während
Milowitz 1991 1380 Einwohner hatte, leben dort derzeit fast 5000 Menschen.
Es handelt sich vor allem um junge Familien, im letzten und in diesem Jahr
wurden 130 Kinder in Milowitz geboren. Die Stadt bot ihren neuen Bürgern
Wohnungen an, problematischer sieht es aber mit Arbeitsmöglichkeiten aus.
Milowitz plant nun die Errichtung einer Industriezone: Das Gelände ist schon
vorbereitet, es gelang jedoch bisher nicht, einen Investor zu finden. Da
sich die dortigen Grundstücke im staatlichen Besitz befinden, kann die
Gemeinde nichts auf eigene Faust unternehmen und ist daher auf die
Entscheidungen des Staates angewiesen.





