Tagesecho Milliarden-Spritze für Krankenhäuser – Streit um die Verteilung
Wie fast überall in Europa fehlt auch in Tschechien Geld für das Gesundheitssystem. Manche Krankenhäuser atmen sogar noch heute, 20 Jahre nach der Wende, den Verfall aus der kommunistischen Zeit. Am Montag hat die tschechische Regierung eine Finanzspritze für die unterfinanzierten Einrichtungen beschlossen. Doch Kritik gibt es an der Auswahl der Kliniken. Till Janzer berichtet.
Foto: ČTK
Eigentlich sind die tschechischen Staatskassen leer. Doch dem
Finanzminister sind insgesamt 1,5 Milliarden Kronen (58 Millionen Euro)
sozusagen in die Hände gefallen. Sie sollen nun den finanziell
unterversorgten Krankenhäusern zu Gute kommen. Das Geld stammt aus dem
Restbestand des Nationalen Vermögensfonds, der aufgelöst wird. Premier
Jan Fischer dazu am Montag nach der Regierungssitzung:
„Dies führt daher nicht zu einer Erhöhung der Staatsausgaben und somit auch nicht zu einem Anstieg des Haushaltsdefizits. Wir investieren dieses Geld in ausgewählte Projekte zentraler Krankenhäuser wie zum Beispiel das Prager Uni-Klinikum Motol.“
Prager Uni-Klinikum Motol (Foto: www.fnmotol.cz)
In Motol soll die Kinderklinik modernisiert werden, anderswo auch
Operationssäle. Insgesamt neun Uni-Kliniken und Spezialeinrichtungen in
den tschechischen Großstädten Prag, Brno / Brünn, Ostrava / Ostrau und
Olomouc / Olmütz erhalten eine Finanzspritze. Alle berücksichtigten
Krankenhäuser werden unmittelbar vom Gesundheitsministerium geleitet. Die
Auswahl missfällt aber den Kreisen. Die von ihnen geleiteten Kliniken
würden allesamt leer ausgehen, beklagt der Leiter des Verbandes der
Kreise, Michal Hašek:
„Es sollten für beide Arten von Krankenhäusern vergleichbare
Finanzierungsbedingungen herrschen. Beides sind öffentliche Einrichtungen,
und ein Patient wird schwerlich prüfen, ob ihn der Rettungsdienst in ein
Krankenhaus bringt, das das Gesundheitsministerium oder der Kreis
verwaltet.“
Premier Fischer ist sich indes der Auswahl sicher, gerade wegen der Patienten. Die Investitionen seien allesamt dringend:
Jan Fischer (Foto: ČTK)„Einige sind so dringend, dass ohne sie sogar der Betrieb des
Krankenhauses gefährdet wäre. Vielleicht wäre das Wort
´super-dringend´ da richtiger. Das bedeutet, dass letztlich nicht vor
allem die Einrichtungen, sondern ganz enorm die Patienten geschädigt
würden.“
Ende April wollen Premier Fischer und Gesundheitsministerin Jurásková sich mit Vertretern der 14 tschechischen Kreise treffen und die Auswahl erläutern. Anzunehmen, dass bei dieser Gelegenheit die Kreishauptmänner auch einige „super-dringende“ Investitionsfälle präsentieren werden – Fälle in den von den Kreisen verwalteten Kliniken.







