Tagesecho Milan Kundera wird Ehrenbürger seiner Heimatstadt Brünn
Vor etwas über 80 Jahren wurde er in Brünn / Brno geboren. Doch zum Land seiner Herkunft hat der weltberühmte Schriftsteller Milan Kundera ein distanziertes Verhältnis. Vor wenigen Tagen hat die Stadt Brünn entschieden, ihrem seit fast 35 Jahren in Frankreich lebenden Sohn die Ehrenbürgerschaft zu verleihen.
Am 1. April 1929 wurde Milan Kundera in eine bürgerliche Familie im
mährischen Brünn hineingeboren. Die Kunderas waren eine musisch begabte
Familie und der junge Milan war keine Ausnahme. Frühzeitig erlernt er das
Klavierspielen und beginnt mit dem Schreiben. Heute lebt Milan Kundera in
Frankreich und darf sich zu den bekanntesten Gegenwartsautoren der Welt
zählen. Vor wenigen Tagen hatte die Geburtsstadt des Schriftstellers
entschieden, ihm die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Soňa Halužová, die
Sprecherin der Stadt Brünn:
„Die Stadt Brünn verleiht alle vier Jahre die Ehrenbürgerschaft an Persönlichkeiten, die sich um die Entwicklung der Stadt verdient gemacht haben. In diesem Jahr waren mehrere Namen im Gespräch und einer von ihnen ist der des tschechisch-französischen Schriftstellers Milan Kundera. Nach der Arbeitsgruppe, welche die Vorschläge zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft bewertet, hat nun auch der Rat der Stadt Brünn zugestimmt. Milan Kundera hatte sich auf unsere Anfrage bereits vorher positiv zu einer möglichen Ehrenbürgerschaft geäußert.“
Brünn
Milan Kundera wird allerdings nicht persönlich von Paris nach Brünn
reisen, um die Auszeichnung entgegen zu nehmen. Er müsse Rücksicht auf
seine Gesundheit nehmen, hieß es seitens des 80 Jahre alten Dichters.
„Deshalb wird Oberbürgermeister Roman Onderka nach Paris reisen und Milan Kundera den Preis dort überreichen. Derzeit ist aber noch unklar, wann das geschehen wird“, so Sprecherin Halužová.
Seit vielen Jahren schon meidet Milan Kundera seine Heimat. Wenn er kommt,
dann zumeist inkognito. 1975 ging Kundera wegen des ihm auferlegten
Publikationsverbots ins Exil nach Frankreich. Vier Jahre später wurde ihm
die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft aberkannt. Seit 1981 ist er
Franzose. Interviews gibt er nur schriftlich. Zu oft habe man ihn
missverstanden oder missverstehen wollen. Die Hälfte seines Lebens war
Kundera Kommunist gewesen. 1968 gehörte er jedoch zu den Reformern, die
einen Sozialismus mit menschlichem Antlitz durchsetzen wollten.
Die Zeit des Kommunismus hatte in diesem Jahr Kundera selbst im entfernten Frankreich wieder eingeholt. 1950 soll er jemanden an die Staatssicherheit denunziert haben, der daraufhin 14 Jahre im Uranabbau dahinvegetierte. Bis heute sind die Vorwürfe nicht hundertprozentig geklärt.
Die Ehrenbürgerschaft der Stadt Brünn dürfte daher mal eine angenehme Nachricht für Milan Kundera aus der alten Heimat gewesen sein.










