Tagesecho Mehr Spaß beim Deutschlernen: 150 Motivationskoffer für Schulen

29-10-2012 15:59 | Romy Ebert

Deutsche Sprache, schwere Sprache – so heißt es allgemein. Das denken auch immer mehr Tschechen: Die Zahl der tschechischen Schüler, die Deutsch lernen, geht seit den 90er Jahren stetig zurück. Allerdings suchen immer mehr Unternehmen hierzulande händeringend Arbeitskräfte mit Deutsch-Kenntnissen. Darum werben Institutionen wie das Goethe-Institut oder das Koordinationszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch „Tandem“ in Tschechien für die Sprache des Nachbarlandes. Am Freitag stellten sie gemeinsam 150 sogenannte Motivationskoffer vor, die den Schülern die Angst vor dem Deutschen nehmen soll.

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Detlef Lingemann (2. von rechts). Foto: Romy EbertDetlef Lingemann (2. von rechts). Foto: Romy Ebert Detlef Lingemann – deutscher Botschafter und Koffer-Pate – pries die Motivationskoffer bei ihrer Vorstellung im Goethe-Institut:

„Sprache ist wie eine Pflanze. Die muss man hegen, pflegen und gießen. Die Lehrer sind die Gärtner, und mit diesen Koffern geben wir ihnen nun die Garteninstrumente an die Hand.“

Die Motivationskoffer sollen Schülern die deutsche Sprache wieder schmackhaft machen. Dementsprechend fröhlich sehen sie auch aus: knallgrün und auf dem Kofferdeckel mit den typischen ostdeutschen Ampelmännchen sowie einer Brezel auf blau-weißem Hintergrund bedruckt. Erfunden wurden die Motivationskoffer vom Goethe-Institut und „Tandem“. Am Freitag wurden sie vom Botschafter und dem tschechischen Minister für Bildung, Jugend und Sport mit Sekt getauft. Danach gingen die ersten Exemplare direkt an interessierte Lehrer. Lucie Kroulíková arbeitet an einer Grundschule in Litoměřice / Leitmeritz und ist für den Sprachkoffer extra angereist. Noch vor Ort wirft sie einen ersten Blick hinein:

Lucie Kroulíková (rechts). Foto: Romy EbertLucie Kroulíková (rechts). Foto: Romy Ebert „Darin gibt es viele Stifte und einen Datenträger. Da ist auch ein Dominospiel drin und eine große Broschüre mit Beschreibungen von Spielen, die man bei der Sprachanimation nutzt.“

An Kroulíkovás Schule in Leitmeritz gibt es 150 Kinder. Fast alle lernen dort Deutsch. Wozu dann also noch der Motivationskoffer? Kroulíková:

„Ich glaube, der Koffer motiviert auch die Lehrer. Sie verwenden sehr gerne solche Materialien, damit der Unterricht lebendiger wird. Wenn man den Unterricht mit Bildern, Farben, Bewegung und Spielen verbindet, lernen die Schüler viel lieber.“

Foto: Romy EbertFoto: Romy Ebert Kleine Geschenke wie ein Kalender oder Schlüsselbänder sollen die Kinder ansprechen. Zwar steht Deutsch noch auf Platz zwei der beliebtesten Fremdsprachen, zwischen 2003 und 2010 ist die Zahl der Schüler, die Deutsch lernen, aber um fast die Hälfte auf 100.000 gesunken. Ein Grund sei, dass die Sprache als schwierig empfunden werde, sagt Susan Zerwinsky, Referentin für Bildungskooperationen beim Goethe-Institut und Verantwortliche für die Motivationskoffer. Aber das nicht der einzige:

„Wir sehen leider auch, dass die derzeitige tschechische Bildungspolitik ein wenig zu kurz greift. Sie setzt nur noch auf Englisch als Fremdsprache, weil man damit einem Trend folgt.“

Um dem entgegenzuwirken, gibt es die Kampagne „Šprechtíme“. Unter anderem gehört dazu eine Absichtserklärung der deutsprachigen Botschafter in Tschechien, Mehrsprachigkeit zu fördern. Teile der Kampagne sind zudem Schulbesuche von Sprachanimateuren. Die Nachfrage bei den Schulen ist groß: Aus zunächst 150 geplanten Animationsstunden wurden mittlerweile doppelt so viele. Aber auch die Motivationskoffer hatten einen guten Start. Über 30 Lehrer aus der ganzen Republik waren zur Präsentation am Freitag gekommen, um die Koffer persönlich abzuholen. Die restlichen 120 werden nun an Schulen vergeben, bei denen die Sprachanimateure von Tandem zu Gast waren oder sein werden.

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