Tagesecho Mehr Arbeit - weniger Sozialhilfe. Das Konzept des neuen Arbeitsministers Zdenek Skromach

31-07-2002 | Silja Schultheis

Mehr Arbeit - weniger Sozialhilfe. Auf diese Formel brachte der neue Arbeitsminister Zdenek Skromach am Mittwoch in der Tageszeitung Mlada fronta dnes sein Konzept zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Tschechien. Was sich im einzelnen dahinter verbirgt, verrät Ihnen Silja Schultheis.

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Arbeitsminister Zdenek SkromachArbeitsminister Zdenek Skromach Dass junge Menschen ohne jegliche Arbeitspraxis bereits Arbeitslosengeld beziehen, soll künftig nicht mehr zu den Prinzipien des tschechischen Sozialstaates zählen. Ein entsprechendes Gesetz, das sich an dem englischen Modell von Tony Blair orientiert, will der neue Arbeitsminister Zdenek Skromach jetzt vorlegen. Das größte Problem sieht er nämlich gegenwärtig darin, dass junge Menschen Sozialhilfe beziehen und nebenbei schwarz arbeiten. Um dies zu verhindern, sind seiner Meinung künftig die Arbeitsämter mehr gefragt. Sie sollten umfassende Fortbildungsmaßnahmen anbieten, zu deren regelmäßiger Teilnahme die jungen Arbeitslosen verpflichtet sind, so dass ihnen keine Zeit bleibt für illegale Nebenverdienste.

Ein besonders akutes Problem stellt die Arbeitslosigkeit in der nordböhmischen Region um Most dar, der Gegend mit der größten Arbeitslosigkeit in Tschechien. Wie reagiert man dort auf die Pläne des neuen Arbeitsministers? Die Leiterin des Arbeitsamtes in Most, Jana Smejcova, wies im Gespräch mit Radio Prag darauf hin, dass die Arbeitsämter bereits jetzt im Grunde ständig unterschiedliche Fortbildungsmaßnahmen anbieten. Eine neue Strategie zur Begrenzung von Langzeitarbeitslosigkeit, die den Vorschlägen des neuen Arbeitsministers ähnelt, probiere man derzeit in Gestalt von Pilotprojekten an insgesamt 15 Arbeitsämtern in der Tschechischen Republik. Eines dieser Pilotprojekte, das seit Januar 2002 u.a. vom Arbeitsamt Most angeboten wird, richtet sich an junge Arbeitslose im Alter bis 25 Jahre, die um Arbeitslosengeld zu erhalten, an einer Fortbildungsstrategie teilnehmen müssen. Neu daran ist ein sog. individueller "Aktionsplan" für den jeweiligen Arbeitslosen. Jana Smejcova erklärte uns, was dieser beinhaltet:

"Individuelle Beratung, außerdem verschiedene Tests, in denen geprüft wird, was ihre Interessen und Fähigkeiten sind, damit ihre nächste Fortbildung dann zielgerichtet ist."

Ihr Amt bemühe sich ebenfalls, die jungen Menschen anschließend in der Region zu beschäftigen, so Smejcova weiter. Um das Kernproblem, die Schaffung neuer Arbeitsplätze, anzugehen, sind ihrer Meinung nach aber auf anderer Ebene Maßnahmen gefragt:

"Dies erfordert eine legislative Regelung, das liegt nicht in der Vollmacht der Arbeitsämter"

Mit anderen Worten: Solange es nicht ausreichend Arbeitsplätze gibt, kann man den Arbeitslosen auch keine Arbeit vermitteln. Minister Skromach plant daher deutliche staatliche Unterstützung und steuerliche Begünstigungen für kleinere und mittlere Unternehmen.

Doch neben der Schaffung von Arbeitsplätzen, darin stimmt Jana Smejcova mit dem neuen Arbeitsminister überein, sei auch die Motivierung der Arbeitslosen wichtig. Denn die fehle bei einigen jungen Menschen vollends, beschreibt Smejcova am Beispiel Most:

"Man würde bei diesen jungen Menschen eher ein größeres Interesse erwarten, sich selbst zu verwirklichen, erfolgreich zu sein, Geld zu verdienen. Ich kann Ihnen sagen, dass man hier manchmal genau auf das Gegenteil trifft. Sie fragen: warum sollte ich eigentlich arbeiten? Ich bin zufrieden mit meiner Sozialhilfe, meine Mutter arbeitet nicht, mein Vater auch nicht, warum sollte ich es tun?"

Die Ergebnisse des Pilotprojektes, über das uns Jana Smejcova vom Arbeitsamt Most informierte, werden voraussichtlich im September veröffentlicht. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

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