Tagesecho „Mann ohne Herz“ soll nach erfolgreicher Reha neues Herz erhalten
Am vergangenen Samstag wartete die tschechische Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“ mit einem außerordentlichen Artikel auf. Dem Bericht zufolge ist Ärzten des Prager Instituts für klinische und experimentelle Medizin (Ikem) vor zwei Monaten eine weltweit einmalige Operation am Herzen eines krebskranken Patienten gelungen. Einem jungen Mann wurde sein Herz, das von einem bösartigen Tumor befallen war, durch zwei mechanische Pumpen ersetzt, schrieb das Blatt.
Jan Pirk mit dem Pazienten (Foto: Michal Sváček, Mladá fronta Dnes, 9. 6. 2012)
Die Operation an dem 37-jährigen Tschechen, dessen erkranktes Herz durch
zwei mechanische Pumpen ersetzt wurde, ist in der Tat eine Weltneuheit.
Eine ähnliche Operation haben bisher nur Kardiologen im amerikanischen
Texas durchgeführt, allerdings erfolglos – im Gegensatz zum Ärzteteam
um den tschechischen Spezialisten Jan Pirk. Das hatte den Patienten am 3.
April im Prager Ikem operiert, der medizinische Eingriff dauerte acht
Stunden. „Der Mann ohne Herz“ ist gegenwärtig auf der Intensivstation
des Zentrums untergebracht.
„Den Patienten haben wir nach der OP noch 17 Tage im künstlichen Schlaf gehalten. Weil aber in dieser Zeit seine Muskeln erschlafft sind, ist er nun in der Phase der Rehabilitation. Er hat begonnen zu gehen, und auch alles andere verläuft gut“, erläutert Professor Pirk.
Foto: MedGadget
Der 37-Jährige wird vermutlich noch einen Monat im Krankenhaus bleiben.
Auch danach muss er immer eine Tasche mit sich tragen, in der sich die
Batterien für die Pumpen befinden. Der Patient darf die Tasche nicht einen
Augenblick ablegen, und auch so muss er mit gewissen Einschränkungen
zurechtkommen, erklärt Professor Pirk:
„Er kann mit dieser Vorrichtung nicht schwimmen gehen, aber er kann damit zumindest duschen. Außerdem muss er Medikamente gegen Blutgerinnung nehmen, und zwar dieselben Medikamente, die ein Patient nach der operativen Entfernung einer Herzklappe erhält.“
Illustrationsfoto
Der tschechische Patient ist der erste Mensch der Welt, der mit Hilfe
zweier Pumpen namens HeartMate II lebt. Allerdings ist das bislang noch
nicht dauerhaft möglich und auch nicht so geplant. Wenn der mechanische
Apparat wie der Ersatz der linken Herzkammer genutzt werde, dann könne ein
Patient damit bis zu sieben Jahre leben, glaubt Professor Pirk. Einen
Schritt weiter kommt man erst, wenn man die Funktionsweise zumindest einer
Pumpe noch verbessert – zum Beispiel durch eine ständig gesicherte
Aufladung der Batterien und den Wegfall des Kabels, das der Patient jetzt
noch mitführen muss. Dann könnte das „mechanische Herz“ zukünftig in
noch stärkerem Maße auch eine Herztransplantation ersetzen, meint Pirk.
So aber steht auch der „Mann ohne Herz“ noch vor genau diesem
operativen Eingriff.
Ikem
Wenn der 37-jährige Tscheche sich soweit erholt hat, dass er weitgehend
selbständig leben kann, wird er aus der Intensivstation in eine normale
Abteilung oder sogar nach Hause entlassen. Nach ein paar Monaten werde man
ihn erneut untersuchen, um festzustellen, ob sich nicht eventuell ein
weiterer Tumor gebildet hat. Sei das nicht der Fall, werde der Patient auf
die Warteliste für eine Herztransplantation gesetzt, so Jan Pirk. Im
Prager Institut für klinische und experimentelle Medizin ist man
optimistisch, dass dieser Prozess weiterhin erfolgreich verläuft. Dann
hätte die tschechische Medizin tatsächlich einen Meilenstein in der
Kardiologie gesetzt.






