Tagesecho Mann liest SMS der Freundin: Bewährungsstrafe

20-08-2007 16:26 | Andreas Wiedemann

Das Bezirksgericht in Prachatice hat einen 32-jährigen Mann zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt, weil er die SMS-Nachrichten auf dem Handy seiner Freundin gelesen hatte. Es ist das erste Mal, dass in Tschechien ein solcher Tatbestand vor Gericht verhandelt wurde.

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Die Beziehung von Petr K. kriselte schon länger. Als er Mitte Juni bei seiner Freundin zu Hause war, nahm er ihr Handy und leitete kurzerhand alle ihre SMS an sein Handy weiter. Er war neugierig und eifersüchtig. Nun wurde der Mann wegen Störung der häuslichen Freiheit, Diebstahl und Störung des Postgeheimnisses zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Petr K. will Berufung einlegen. Er hat zugegeben, dass er die SMS weitergeleitet hat, wusste aber nicht, dass ihm dafür bis zu einem halben Jahr Gefängnis droht. Außerdem betont er:

"Für sie war das doch auch ganz normal, meine SMS zu lesen."

In Tschechien ist das der erste Fall, in dem jemand verurteilt wurde, weil er fremde SMS gelesen hat. Dabei ist das Delikt selbst nicht gerade selten. Häufig gestehen die Klienten in Eheberatungen, SMS oder E-Mails ihrer Partner gelesen zu haben. Die Psychologin Jitka Doubova warnt davor:

"Die Partnerschaft wird dadurch wesentlich bedroht, weil die Menschen überflüssigerweise Dinge erfahren, die sie nicht wissen müssen."

Eine Untersuchung eines Mobilnetzbetreibers in Nordböhmen hat ergeben, dass 80 Prozent der befragten Frauen schon einmal heimlich die SMS ihrer Partner gelesen haben. Die Frage nach dem Verhalten der Männer fehlt aber in dieser Umfrage. Für Jitka Doubova ist das heimliche Lesen von SMS der Anfang vom Ende:

"Das ist meistens der Beginn von Konflikten und Problemen in der Ehe, die leider manchmal auch unnötigerweise mit der Scheidung enden."

Das unerlaubte Lesen fremder SMS oder E-Mails wird auch in Zukunft in Tschechien kein Kavaliersdelikt sein. Das Justizministerium bereitet gerade eine neue Gesetzesnovelle vor. Für das Lesen von Nachrichten dieser Art sollen dann Strafen zwischen einem halben Jahr und zwei Jahren Haft drohen.

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