Tagesecho Mangel an qualifizierten Beamten verzögert die Übernahme von EU-Recht in Tschechien
Bei hochsommerlichen Temperaturen geht alles etwas langsamer - das ist derzeit auch in Tschechien so. Entschieden zu langsam allerdings schreitet der legislative Prozess bei der Übernahme der EU-Vorschriften voran. Nach einem Bericht der EU-Kommission liegt die Tschechische Republik etwa bei der Umsetzung der Richtlinien über den einheitlichen EU-Binnenmarkt unter den 25 Mitgliedsstaaten auf dem 22. Platz. Es berichtet Thomas Kirschner.
Verzögerungen bei der Übernahme der europäischen Regularien räumten in
einer Umfrage der Nachrichtenagentur CTK auch Parlamentarier und Vertreter
der Ministerien ein. Grund dafür sei nicht nur der langwierige
Gesetzgebungsprozess, sondern auch der Mangel an qualifizierten,
juristisch geschulten Beamten. Nach Worten der Vorsitzenden des
Verfassungsrechtlichen Ausschusses im Abgeordnetenhaus Vlasta Parkanova
fehlen bereits seit langem in der Staatsverwaltung Rechtsexperten mit
Fremdsprachenkenntnissen. Wegen der verhältnismäßig niedrigen Gehälter sei
es schwierig, qualifizierte Mitarbeiter im Staatsdienst zu halten, dies sei
ein fortdauerndes Problem, so Parkanova.
Allein im Justizministerium sind
nach Angaben des Ressortsprechers Petr Dimun 20 Prozent der
Expertenstellen unbesetzt.
Ganz aber möchten die tschechischen Vertreter die Brüssler Kritik nicht
auf sich sitzen lassen. So wies der Vorsitzende des Parlamentsausschusses
für Europäische Angelegenheiten, Pavel Svoboda, darauf hin, dass die Union
ihrer Übersetzungspflicht noch nicht vollständig nachgekommen sei und auch
mehr als ein Jahr nach dem EU-Beitritt noch eine große Zahl von
EU-Richtlinien nicht in tschechischer Sprache vorlägen. Vor allem aber
stört tschechische Politiker und Beamte, dass in den Statistiken der
positive Trend nicht ausreichend anerkannt wird. Während vor Jahresfrist
noch 23,6 Prozent der EU-Richtlinien auf die Übernahme ins tschechische
Recht warteten, sind es nun nur noch 3,6 Prozent. Wenigstens im Nachholen
gehört Tschechien also zu den Spitzenreitern.





