Tagesecho Mainzer Skandal mit verunreinigten Infusionen schlägt auch in Tschechien Wellen
Drei Babys sind in den vergangenen Tagen in der Mainzer Universitätsklinik gestorben, nachdem ihnen eine verunreinigte Infusionslösung verabreicht worden war. Über den tragischen Fall haben auch tschechische Medien berichtet. Im Zusammenhang mit dem Skandal stellte sich auch hierzulande die Frage nach den Bedingungen bei der Zubereitung von Infusionslösungen.
Mainzer Universitätsklinik (Foto: ČTK)
Medienberichten zufolge gelangten die bakteriellen Erreger vermutlich in
der Mainzer Klinikapotheke beim Zusammenmischen in die Infusionslösungen.
Kann man es überhaupt ganz ausschließen, dass es zu einer Verunreinigung
von Infusionslösung kommt? Petr Horák ist der Chef-Pharmakologe in der
Universitätsklinik Prag – Motol.
„Ich kann das mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit ausschließen. Andererseits glaube ich, es ist nur eine der Möglichkeiten, dass es zu der Verunreinigung beim Zusammenmischen in der Apotheke des Klinikums Mainz kam.“
Horák zufolge gelten für die Zubereitung ähnlicher Arzneimittel auch in der Klinik Motol die strengsten hygienischen Normen. Die Luft in dem Raum, wo sie zubereitet werden, darf nicht mikrobiell kontaminiert sein. Auch das Personal, das sich dort bewegt, unterliege strengsten hygienischen Vorschriften, sagt Horák. Kann es sein, dass es zur Verseuchung der Nährlösung in Mainz anderswo als in der Apotheke des Klinikums kam? Der Experte:
„Ich kenne natürlich die dortige Situation nicht. Aber es gibt mehrere Arbeitschritte bei der Zubereitung von Arzneimitteln. Wenn wir die Nährlösung vorbereiten, müssen wir uns beispielsweise darauf verlassen können, dass das Material, mit dem wir arbeiten, steril ist. Dies lässt sich aber in dem Moment nicht überprüfen. Wir müssen uns einfach darauf verlassen, dass alle gesetzlichen und hygienischen Normen erfüllt sind.“
In den Medien wird darüber spekuliert, ob nicht eventuell die Schläuche der Infusionssets hinter der verunreinigten Nährlösung stehen. Petr Horák:
Mainzer Universitätsklinik (Foto: ČTK)
„Dafür würde die Bakterie sprechen, die die Verunreinigung
verursachte. Aber andererseits müssen die Infusionssets steril sein. Falls
sie tatsächlich nicht richtig hergestellt wurden oder falls es zu einer
Beschädigung kam, dann geschah das noch, bevor das Personal des
Krankenhauses mit den Infusionssets in Kontakt kam. Es kann auch sein, dass
sich das Personal nicht richtig die Hände gewaschen hat, aber da man nur
mit sterilen Handschuhen mit der Infusion arbeitet, ist die Möglichkeit
der Verseuchung höchst unwahrscheinlich. Aber ausschließen kann ich es
nicht.“







