Tagesecho Letzte Regierungssitzung vor dem Urlaub: Kürzungen bei der Polizei, Verhandlungen über Abfangjäger
Bereits seit Anfang Juli haben die Kinder in Tschechien Ferien, knapp vier Wochen später geht nun auch die Regierung in den Urlaub. Vorher aber standen noch einige wichtige Themen auf der Tagesordnung des Kabinetts.
Petr Nečas (Foto: ČTK)
Das die Regierung sich zwei Wochen nicht treffen werde, sei vor allem für
die Angestellten des Regierungsamtes eine gute Nachricht. Und, so fügte
Premier Nečas auf der Pressekonferenz mit einem Lächeln hinzu, eine gute
Nachricht für das Land sei es ebenfalls. Er spielte damit auf die diversen
Sparankündigungen an, für die Regierungssitzungen der
Mitte-Rechts-Koalition bekannt sind. Und auch auf diesem letzten Treffen
vor dem Sommer musste wieder ein Ressort zurückstecken: Innenminister
Kubice kündigte Einsparungen bei der Polizei an, die aber ohne
Personalreduzierungen verlaufen sollen. Milan Štěpánek ist Vorsitzender
des Verbandes der Polizeigewerkschaft und fürchtet, dass dies aber doch
nicht ohne Entlassungen gehen wird:
„Zunächst einmal soll die Anzahl der Polizisten im kommenden Jahr etwa
gleich bleiben, nur um 220 Stellen auf dann 39.000 Beamte ansteigen. Es
sollen genug Mittel vorhanden sein, die entsprechenden Dienstgehälter zu
bezahlen. Trotzdem sollen aber umgerechnet 17,5 Millionen Euro eingespart
werden. Ich kann mir nun nicht vorstellen, wie dies geschehen kann, solange
die Zahl der Polizisten und die Höhe ihres jetzigen Gehalts erhalten
bleiben.“
Innenminister Jan Kubice möchte drei von sechs Polizeischulen des Landes schließen sowie das Gehalt der Polizisten auf dem derzeitigen Stand einfrieren. Starker Tobak für Polizeipräsident Petr Lessy, der die Anzahl der Polizisten eigentlich deutlich anheben wollte.
Alexandr Vondra (Foto: ČTK)
Neben der Polizei standen aber am Mittwoch noch weitere 48 Punkte auf dem
Plan der Regierung. Unter anderem wurde entschieden, die Tätigkeit der
Regierungsagentur, die sich um „sozial Ausgeschlossene“ kümmern soll,
bis 2015 zu verlängern. Auch die nationalen Erdölreserven und das
Versagen der neuen Software der Zulassungsstellen wurden besprochen.
Größere Probleme aber scheint es bei der Verlängerung des Mietvertrags
über die schwedischen Abfangjäger Gripen zu geben. Verteidigungsminister
Alexandr Vondra:
„Der derzeitige Stand der Verhandlungen und die vorübergehenden
Ergebnisse sind nicht so ausgefallen, dass ich der Regierung mit reinem
Gewissen empfehlen konnte, das Angebot der schwedischen Seite
anzunehmen.“
Tschechien hat 14 Abfangjäger des Typs Gripen von Schweden gemietet, der Vertrag läuft Ende 2014 aus. Jährlich bezahlt das Verteidigungsministerium zwei Milliarden Kronen (80 Millionen Euro) für das Leihgeschäft, möchte aber nun sparen. Schweden scheint aber finanziell nicht nachgeben zu wollen. Premier Nečas drohte daher:
„Im Jahr 2014 läuft dieser Vertrag aus. Und dann wird die Regierung
einen öffentlichen Auftrag darüber ausschreiben, wer in Zukunft
Abfangjäger für die tschechische Luftwaffe liefern wird. Das kann die
Regierung ganz in Ruhe machen, sollte der überraschend wenig hilfreiche
Vorschlag der schwedischen Seite so bleiben.“
Das könnte die tschechische Seite allerdings teuer zu stehen kommen, denn eventuell müssten dann die Piloten wieder für teueres Geld auf neue Flugzeugtypen umgeschult werden. Fazit: Für den Herbst bleibt für die tschechische Regierung noch viel zu tun.







