Tagesecho Legendärer Theaterregisseur Otomar Krejča gestorben

09-11-2009 17:04 | Martina Schneibergová

Er war ein Theatermann, dessen Ruf weit über die Grenzen der Tschechoslowakei oder Tschechiens hinausging: der Schauspieler, Intendant und vor allem Regisseur Otomar Krejča. Der legendäre Theaterkünstler ist durch seinen Mut und Hartnäckigkeit bekannt geworden. Am vergangenen Freitag ist Otomar Krejča im Alter von 87 Jahren gestorben.

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Regisseur Otomar Krejča (Foto: ČTK)Regisseur Otomar Krejča (Foto: ČTK) Otomar Krejča wirkte seit 1951 im Prager Nationaltheater, später leitete er das Schauspielensemble der größten Prager Bühne. Da man seinen Dramaturgen Karel Kraus entlassen wollte, entschied er sich, ebenfalls das Theater zu verlassen. Er gründete dann 1965 seine eigene Bühne – Divadlo Za branou - das Theater hinter dem Tor. Dort führte er Stücke von tschechischen Gegenwartsdramatikern wie Václav Havel oder Josef Topol, sowie klassische Werke auf. Schauspielerin Vlasta Chramostová erinnert sich:

„Otomar war phänomenal. Mitte der sechziger Jahre kam es zu einer politischen Entspannung. Da begann er, Theater nach seinen Vorstellungen zu machen.“

Krejča engagierte sich während des Prager Frühlings 1968 und protestierte gegen die Okkupation der Tschechoslowakei. Sein Theater wurde 1972 aufgelöst. Theaterwissenschaftler Vladimír Just:

„Das brutale Verbot oder besser gesagt die Liquidierung des ‚Theaters hinter dem Tor’, das damals zweifelsohne das international berühmteste tschechische Theater war, war damals kaum zu glauben. Denn es kamen Proteste von namhaften Persönlichkeiten – wie Friedrich Dürrenmatt oder Ingmar Bergman. Es war vordergründig kein politisches Theater. Paradoxerweise ermöglichte das Verbot des Theaters dem Regisseur, im Ausland zu arbeiten. Er wirkte beispielsweise am Burgtheater in Wien, in Avignon, in Brüssel und in anderen Städten.“

Nach der Wende von 1989 gründete Otomar Krejča das „Theater hinter dem Tor II“. Es gelang ihm jedoch nicht mehr, an die Theatererfolge aus den 60er Jahren anzuknüpfen. Wegen finanzieller Probleme war Krejča gezwungen, sein Theater nach knapp fünf Jahren wieder aufzulösen. 1994 bewarb er sich um den Posten des Intendanten im Nationaltheater Prag, wurde jedoch abgelehnt. Vladimír Just ist davon überzeugt, dass der international anerkannte Regisseur damals die Chance hätte bekommen sollen, das Ensemble zu leiten.

Foto: ČTKFoto: ČTK „Ich habe gedacht, dass er seine Karriere im Nationaltheater vollenden wird. Denn von dort wurde er einst vertrieben. Ich halte es für eine große Sünde, dass ihm keine kontinuierliche Arbeit in den letzten Jahrzehnten seines Lebens ermöglicht wurde.“

Als Regisseur hat Otomar Krejča 84 Inszenierungen einstudiert, die Hälfte davon im Ausland. Für seine Arbeit wurde er mehrmals nicht nur in Tschechien ausgezeichnet.

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