Tagesecho Landkreise, Staat und Tschechische Bahnen schließen Zehnjahresvertrag ab
Wer zahlt wie viel? Diese Frage stellte sich bisher jedes Jahr aufs Neue, wenn es darum ging, über den Betrieb auf dem tschechischen Eisenbahnnetz zu verhandeln. Die Ausgangslage dabei war alles andere als einfach: Für Eil- und Regionalzüge sind die 14 Landkreise zuständig, für alle anderen Züge – vom Schnellzug bis zum Eurocity - das Verkehrsministerium. Und die Supercity-Züge wiederum betreiben die Tschechischen Bahnen (ČD) auf eigene Rechnung. Nun ist Schluss mit dem alljährlichen Gezerre, die Beteiligten haben sich auf eine langfristige Lösung geeinigt. Während Politiker und Bahnmanager von einem Erfolg sprechen, tobt die private Konkurrenz.
Petr Žaluda
Für zehn Jahre haben die 14 Landkreise und die Tschechischen Bahnen einen
Finanzierungsvertrag geschlossen. Die Regionen bestellen die Führung der
Eil- und Regionalzüge wie bisher bei den Tschechischen Bahnen (ČD), einer
Aktiengesellschaft, die sich zu 100 Prozent im Besitz des tschechischen
Staates befindet. Gleiches gilt für das Verkehrsministerium, das den
Bahn-Fernverkehr bestellt und finanziert. Der Generaldirektor der ČD, Petr
Žaluda, zeigt sich mit der Einigung zufrieden.
„Jetzt kommen wir endlich zu einer normalen Geschäftsbeziehung. Wir
verlangen keine Finanzspritzen mehr vom Eigentümer Staat, sondern die
Landkreise und das Ministerium bestellen Leistungen. Und die werden auch
zur Gänze bezahlt, inklusive eines angemessenen Gewinns. Dadurch können
wir als Bahn langfristig planen, Kredite aufnehmen und endlich unseren
Wagenpark erneuern. So, wie es sich heutzutage eben gehört.“
Unzufrieden mit der Neuregelung ist hingegen die private Konkurrenz, die
eine Ausschreibung der Verkehrsleistungen fordert. Radim Jančura, der Chef
des Brünner Reise- und Busunternehmens „Student Agency“, hat nun eine
Negativ-Kampagne gegen die Sozialdemokratische Partei (ČSSD) gestartet,
der 13 der 14 Kreishauptmänner angehören. Jančura verspricht, binnen
drei Jahren modernere Regionalzüge einzusetzen und dabei sowohl den
Fahrgästen als auch den Landkreisen Geld zu sparen:
„Wir wollen die Leute aufrütteln und ihnen vor Augen führen, dass da 20 Milliarden Kronen (760 Millionen Euro) Steuergeld in ein schwarzes Loch namens Tschechische Bahnen gesteckt werden.“
Karel Hanzelka
Eine Kritik, die der Sprecher des tschechischen Verkehrsministeriums,
Karel Hanzelka, zurückweist:
„In den Verträgen mit den Tschechischen Bahnen ist eine wichtige Klausel enthalten: Wir werden jedes Jahr eine gewisse Anzahl von Schnellzugstrecken ausschreiben. Innerhalb von zehn Jahren sollen so 75 Prozent des Marktes für private Anbieter geöffnet werden. Die bekommen also eine faire Chance.“
Dies gilt allerdings nur für die vom Verkehrsministerium bestellten Fernverkehrs-Züge. Ob, und in welchem Umfang auch die Landkreise Zugleistungen ausschreiben wollen, bleibt abzuwarten.








