Tagesecho Kritiker loben: Kontroverse Ausschreibung für Altlastensanierung wird storniert
Die größte öffentliche Ausschreibung des Jahrzehnts in Tschechien wird keinen Sieger haben. Die Ausschreibung für die landesweite Altlastensanierung wird auf Empfehlung des Finanzministers storniert.
Das Kabinett werde in dieser Ausschreibung keinen Sieger ermitteln, denn
das Projekt sei beendet, gab Premier Petr Nečas am Mittwoch in Prag
bekannt. Zuvor hatte Finanzminister Miroslav Kalousek der Regierung
empfohlen, das preiswerteste Angebot – es kam von der Firma Marius
Pedersen Engineering – nicht zu akzeptieren. Die Summe von fast 57
Milliarden Kronen (ca. 2,28 Milliarden Euro) sei immer noch übertrieben
hoch, hieß es. Die Ausschreibung kritisierte nicht nur der Premier,
sondern auch die kleinste Regierungspartei, die Partei der Öffentlichen
Angelegenheiten (VV):
Vít Bárta (Foto: ČTK)
„Als Fraktionschef der VV-Partei halte ich die Entscheidung von
Finanzminister Kalousek für sehr positiv“, sagte Vít Bárta. Seine
Partei bestehe darauf, dass die Regierung anstelle der Ausschreibung dieses
Superauftrags eher mehrere kleinere Ausschreibungen bevorzugen sollte.
Der Kommentator des Wochenmagazins „Respekt“, Jaroslav Spurný, hat das Geschehen um die Ausschreibung beobachtet:
„Das Ende der Ausschreibung ist eine gute Nachricht nicht nur für mich, sondern vor allem für die Steuerzahler. Es könnte sein, dass damit rund 20 Milliarden Kronen eingespart werden.“
Jaroslav Spurný
Seine Meinung teilt auch der Leiter der tschechischen Zweigstelle von
Transparency International, David Ondráčka:
„Ich meine, dass damit sogar noch mehr Milliarden Kronen gespart werden.
Wir haben gegen diese Ausschreibung drei Jahre lang gekämpft, und jetzt
ist es an der Zeit, ein bisschen zu feiern. Natürlich mit der
Einschränkung, dass eine Form, wie die Altlasten letztlich saniert werden,
noch gefunden werden muss.“
David Ondráčka (Foto: Archiv der Armee der Tschechischen Republik)
Ondráčka räumte ein, keine direkten Beweise dafür zu haben, dass eine
der Firmen, die an der Ausschreibung teilnahmen, die Werbekampagne einer
der politischen Parteieninanziert hätte. Andererseits sei die
Ausschreibung von Anfang an durch verdächtige Umstände begleitet worden,
bemerkt Ondráčka:
„Es wurde beispielsweise am Anfang versprochen, es werde sich um eine große europäische Ausschreibung handeln. Letztlich bewarben sich aber nur drei tschechische Firmen, von denen auch noch alle drei nur zu diesem Zweck gegründet wurden. Diese Geschichte illustriert, wie diese Art der politischen Kriminalität heutzutage verläuft. Ja, ich behaupte, dass es sich hier um eine politische Kriminalität handelt. Man bezeichnet sie auch als Verbrechen der so genannten ´weißen Kragen`, die sehr effektiv von Anwaltbüros und Beraterfirmen unterstützt werden. Alles wird sehr intelligent durchgeführt und ist nur schwer anzugreifen. Wenn jemand dagegen kämpfen und das öffentliche Interesse verteidigen will, wie wir es versucht haben, muss er sehr geduldig sein.“







