Konstruktiv streiten bei „Jugend debattiert“

„Jugend debattiert“ findet nicht nur in Deutschland statt. Am vergangenen Donnerstag wurde bereits das 14. tschechische Landesfinale im Musikmuseum Prag ausgetragen. Vier Schüler stritten dabei zu einem politischen Thema.

Denisa Ivanovová, Jáchym Hanák, Jana Nguyenová und Marek Říčánek (Foto: David Brunner, Archiv von „Jugend debattiert“)Denisa Ivanovová, Jáchym Hanák, Jana Nguyenová und Marek Říčánek (Foto: David Brunner, Archiv von „Jugend debattiert“) Schon mit 16 an die Wahlurne? So lautete das Thema des diesjährigen Landesfinales, für das sich Denisa Ivanovová, Jáchym Hanák, Jana Nguyenová und Marek Říčánek qualifizieren konnten. Welche Position sie bei der Debatte vertreten werden, erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erst kurz vor Beginn des Landesfinales. Das Thema selbst kannten sie jedoch schon einen Monat vorher. Nach einleitenden Grußworten begann mit dem ersten Gong auch schon die hitzige Diskussion. Warum gerade diese Frage ausgewählt worden war, erklärt Projektassistent Jan Sommerfeldt:

„Das Thema ist sehr aktuell und gerade in Tschechien, den Visegrád-Staaten gehen wir ganz oft in die politische Richtung. Politische Partizipation ist ein sehr wichtiges Element im Projekt.“

Die Debatte besteht aus drei Teilen. Zunächst hat jeder Teilnehmer zwei Minuten lang Zeit, seine Position darzulegen. Die Diskussion selbst, in der die Schülerinnen und Schüler abwechselnd und strukturiert argumentieren, dauert zwölf Minuten. Zum Schluss bleibt den Debattantinnen und Debattanten jeweils eine Minute, um ihren Standpunkt nochmals zusammenzufassen.

Daniel Vodrážka (Foto: Archiv des Goethe-Instituts)Daniel Vodrážka (Foto: Archiv des Goethe-Instituts) Den Saal füllten zahlreiche Gymnasiasten. Genauso wie in den Vorjahren sei auch diesmal das Interesse an dem Wettbewerb sehr groß gewesen, so der Projektkoordinator Daniel Vodrážka:

„Wir haben im Moment 34 Schulen, an denen im Unterricht debattiert wird. 50 Lehrkräfte arbeiten aktiv mit den Schülerinnen und Schülern. Wenn ich mich nicht irre, waren es nur in diesem Schuljahr über 600 tschechische Schülerinnen und Schüler.“

Anschließend wurden die Zuschauer dazu aufgerufen, mit einem roten oder grünen Kärtchen ihre eigene Position zum Wahlrecht ab 16 zu zeigen. Ein kurzer Blick in die Menge machte deutlich, dass die Meinung auch hier sehr gespalten war. Wie eine Debatte am besten funktionieren kann, erklärt die Teilnehmerin Denisa Ivanovová:

Die Teilnehmer des Finales (Foto: David Brunner, Archiv von „Jugend debattiert“)Die Teilnehmer des Finales (Foto: David Brunner, Archiv von „Jugend debattiert“) „Am bedeutendsten sind die 30 Minuten vor der Debatte, denn da setzen wir uns zu viert zusammen. Die Diskussion kann nur dann gut sein, wenn beide Seiten miteinander und nicht gegeneinander reden. Da ist es wichtig, dass wir alle auf einer Wellenlänge sind und uns absprechen, aus welcher Perspektive wir das Thema betrachten wollen, welche Aspekte wir betonen und worüber wir konkret debattieren wollen.“

Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin bekam nach der Diskussion noch ein individuelles Feedback. Schon konnten die Plätze vergeben werden. Silber ging an Jana Nguyenová, zur Erstplatzierten wurde Dana Ivanovová gekürt. Die zwei Schülerinnen überzeugten die Jury mit ihrer Argumentationsfähigkeit am meisten. Im Vordergrund des Wettbewerbes steht jedoch nicht nur das Gewinnen, wie auch die Siegerin bestätigt:

„Ich habe super Menschen kennengelernt, die sich für die gleichen Themen interessieren. Wir haben auch Freundschaften geknüpft. Es bereichert einen, wenn man sich mit politischen Themen auseinandersetzt. Man hat einfach wahnsinnig viel Spaß.“, so Denisa Ivanovová.

Die beiden Gewinnerinnen von „Jugend debattiert“ in Tschechien werden im September ihr Land beim internationalen Finale in Bratislava vertreten. Dort können sie auch weiter viele Kontakte knüpfen und neue Erfahrungen sammeln. Insgesamt 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus zwölf Ländern werden dann um den ersten Platz debattieren.