Tagesecho Konsequenzen aus dem Polizeiübergriff auf die Grünen-Kandidatin Katerina Jacques
Das harte Vorgehen der Polizei gegen die Grünenpolitikerin Katerina Jacques auf einer Kundgebung gegen Neonazis am 1. Mai sorgt seit Wochen für Schlagzeilen in Tschechien. Im Gegensatz zu dem umstrittenen Polizeieinsatz bei der Technoparty CzechTek vor einem Jahr haben die verantwortlichen Stellen im Falle Jacques rasch personelle Konsequenzen gezogen.
Katerina Jacques (Foto: www.zeleni.cz)
Als "prominentes Opfer" bezeichnet sie sich selbst - Katerina
Jacques kam am 1. Mai von einer Demonstration gegen Neonazis im Prager
Stadtzentrum mit einer Reihe Prellungen, Zerrungen und blauer Flecke
zurück - und vor allem: mit einem Schock. Dank ihrer Tätigkeit im
Regierungsamt, wo sie bezeichnenderweise das Ressort für Menschenrechte
leitet, rief der Vorfall sofort führende Politiker auf den Plan.
Premierminister Jiri Paroubek stellte sich hinter seine Mitarbeiterin und
sorgte für eine rasche Aufklärung und Bestrafung des Vorfalls.
Polizeipräsident Vladislav Husak entschuldigte sich persönlich bei
Jacques, suspendierte mehrere führende Polizisten vom Dienst und kündigte
weitere Konsequenzen an, um ähnlichen Fällen künftig vorzubeugen.
Gleichwohl, und darauf bestand Husak, habe es sich bei dem Verhalten des
Polizisten Tomas Cermak, der Jacques brutal zu Boden geworfen und mehrfach
geschlagen und getreten hatte, um das persönliche Versagen eines Einzelnen
gehandelt.
Katerina Jacques sieht es anders. Sie begrüßte zwar die schnelle Aufklärung der Ereignisse. Bei der Bestrafung Einzelner dürfe es aber nicht bleiben, betonte sie im Gespräch mit diesem Sender. Der Fehler liegt ihrer Meinung nach im System:
"Es ist mir sehr wichtig zu zeigen, dass das was mir passiert ist,
anscheinend kein Einzelfall ist, sondern eine Situation, die mehrere
Bürger in diesem Land schon erlebt haben. Beispielsweise bei der bekannten
Aktion CzechTek, die bis heute nicht bestraft worden ist. Und es ist mir
sehr wichtig zu zeigen, dass es tatsächlich ein Problem gibt und dass wir
damit etwas machen müssen."
Insbesondere drei Punkte sind es, die Katerina Jacques unter den Nägeln brennen:
"Für mich ist absolut inakzeptabel, dass Rechtsextremisten durch die Straßen marschieren dürfen und von der Polizei begleitet werden. Das ist das ist Thema Nummer eins. Thema Nummer zwei ist eine unabhängige Kontrolle der Polizei. Und die dritte Frage ist dann die psychologische Ausbildung und Vorbereitung von Polizisten in Kommunikation mit den Bürgern, damit wir wirklich eine Polizei haben, die die Würde der Menschen achtet und den Respekt der Gesellschaft hat."
Einen verstärkten Einsatz von Psychologen bei Polizeieinsätzen hat
Polizeipräsident Husak bereits angekündigt. Was generell die Stellung der
Polizei innerhalb der tschechischen Gesellschaft anbelangt, so dürfte
diese Frage vorerst noch weiter für Diskussionen sorgen.






