Tagesecho Koalitionsverhandlungen: Einführung von Studiengebühren fixiert

16-06-2010 12:40 | Daniel Kortschak

In vielen Ländern gehören sie bereits zum Hochschulalltag und auch in Tschechien wird seit längerer Zeit darüber diskutiert. Die Rede ist von Studienbeiträgen. Nun hat sich die entstehende Mitte-Rechts-Koalition auf die Einführung von Studiengebühren verständigt.

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Maximal 10.000 Kronen (rund 400 Euro) pro Semester sollen tschechische Studenten in Zukunft für ihre Hochschulbildung bezahlen. Darauf haben sich am Dienstag die Vertreter von Bürgerdemokraten, TOP 09 und der Partei der Öffentlichen Angelegenheiten bei ihren Koalitionsverhandlungen geeinigt. Die genaue Höhe der Studiengebühren können die Hochschulen selbst festsetzen.

„Dort, wo es eine extreme Nachfrage gibt, werden es wohl 10.000 Kronen pro Semester sein. Hochschulen, wo sich niemand anmeldet, werden aber niedrigere Gebühren festsetzen müssen.“

Die Studiengebühren sollen so rasch wie möglich eingeführt werden. Die schon jetzt inskribierten Studenten sollen aber ihr laufendes Studium auf jeden Fall noch gebührenfrei beenden können. Das Geld soll auf alle Fälle direkt den Hochschulen zu Gute kommen, verspricht der designierte Vorsitzende der Bürgerdemokraten, Petr Nečas.

Petr NečasPetr Nečas „Ein Teil der Einnahmen aus den Gebühren soll für Stipendien verwendet werden, um besonders begabte Studenten zu fördern und ihnen die Deckung ihrer Ausbildungs- und Lebenshaltungskosten zu ermöglichen.“

Für alle diejenigen, die sich die Gebühren nicht leisten können, soll es staatliche Darlehen geben. Ähnlich wie beim deutschen Bafög muss das Geld erst zurückbezahlt werden, wenn man zumindest das Durchschnittseinkommen erreicht hat. Studenten, die ihr Studium mit Auszeichnung abschließen, soll die Bezahlung der Gebühren überhaupt erlassen werden beziehungsweise das bereits bezahlte Geld zurückerstattet werden.

Protest gegen die Einführung von Studiengebühren (Foto: ČTK)Protest gegen die Einführung von Studiengebühren (Foto: ČTK) Für die Einführung von Studiengebühren ausgesprochen hat sich auch Staatspräsident Václav Klaus:

„Wir haben zu viele Hochschulen, wir haben zu viele Studenten. Und wir haben zu wenige Lehrkräfte. Das müsste natürlich genau umgekehrt sein. Die Studiengebühren sind da ein unerlässliches Instrument zur Regulierung. Ich denke, es ist ein schrecklicher Fehler, die Gebühren nur als eine weitere Finanzierungsquelle für die Hochschulen zu betrachten.“

Václav KlausVáclav Klaus Es gehe vielmehr darum, für die Hochschulbildung einen angemessenen Preis zu fordern. Nur so könne man sicherstellen, dass sich nur diejenigen inskribierten, die es auch ernst meinten mit dem Studium, betonte Klaus am Montag bei seinem Besuch an der Universität Olmütz / Olomouc.

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