Kirchenfinanzierung: Der Klingelbeutel reicht nicht

Mehr als eine halbe Million Gläubige besuchen jeden Sonntag die Gottesdienste der christlichen Kirchen in Tschechien. In den Kollekten spenden die Menschen viel Geld - aber nicht genügend, um die Kirchen finanziell unabhängig machen. Zur Beseitigung der kirchlichen Geldsorgen kommen nun neue Vorschläge aus der Politik.

Finanzielle Not - das ist das langjährige Problem der Kirchen in Tschechien. Schuld daran ist der bisherige Unwille der tschechischen Abgeordneten, ein Restitutionsgesetz zu verabschieden, das den Kirchen das Eigentum zurückgibt, das ihnen während der kommunistischen Diktatur gestohlen wurde. Der stellvertretende Kulturminister Jaromir Talir von den Christdemokraten möchte diese Situation gerne ändern:

"Das Kulturministerium arbeitet derzeit an der komplexen Lösung des Problems. Wir suchen nach Wegen, die Ungerechtigkeit gutzumachen, die in der Zeit des kommunistischen Regimes entstanden ist, als das Kircheneigentum konfisziert wurde. Gleichzeitig befassen wir uns auch mit einer neuen Finanzierungsstruktur für die Kirchen", so Talir.

Sein Parteikollege Cyril Svoboda, Minister und Vorsitzender des Legislativrates der tschechischen Regierung, kam aber neulich mit einer anderen Idee: Die aktiven Christen sollen mit einem Prozent ihres Lohns dazu beitragen, den finanziellen Bedarf der Kirchen zu decken. Laut Svoboda könnte die Kirche auf diese Weise jährlich bis zu 1,2 Milliarden Kronen einnehmen, das sind rund 42 Millionen Euro.

Die Tschechische Bischofskonferenz ist mit diesen Berechnungen nicht einverstanden. Sie möchte Svoboda in eine Expertengruppe einladen, wo über die künftige Finanzierung der Kirchen diskutiert werden soll. Und auch der stellvertretende Kulturminister Jaromir Talir stimmt Svobodas Vorschlag nicht zu:

"Meiner Meinung nach ist Minister Svoboda nicht von genauen Zahlen und Schätzungen ausgegangen. Ich halte seine Berechnungen für unrealistisch."

Cyril SvobodaCyril Svoboda Vielleicht aber können die tschechischen Kirchen für dieses Jahr doch noch eine Änderung erwarten, die sie aus ihrer unsicheren finanziellen Lage befreien wird. Jaromir Talir jedenfalls hat schon einen Fahrplan:

"Das Kulturministerium will der Regierung bis zum Jahresende den Entwurf für ein neues Gesetz vorlegen. Dieses soll einerseits das Problem des bislang nicht zurückgegebenen Eigentums lösen und gleichzeitig bestimmen, in welcher Form sich der Staat an der künftigen Finanzierung der Kirchen beteiligen wird."