Tagesecho „Kennen wir uns?“ – Studie untersucht Verhältnis zwischen Visegrad-Staaten
Wie gut kennen sich die Länder der Visegrad-Gruppe untereinander? Dieser Frage ging eine Studie nach, die vergangene Woche im Rahmen einer Konferenz in Prag vorgestellt wurde. Die Visegrad-Staaten, also Polen, Ungarn, Tschechien und die Slowakei bemühen sich seit 1991 um mehr Zusammenarbeit. Doch hat diese Kooperation auch zu einer gesellschaftlichen Annäherung geführt?
„Kennen wir uns?“ – unter dieser Überschrift wurden die Ergebnisse
einer Befragung diskutiert, die in Polen, Ungarn, Tschechien und der
Slowakei durchgeführt wurde. Die Befragten mussten beispielsweise spontan
eine bekannte historische Person der anderen Länder nennen. Dazu Oľga
Gyárfášová vom Institut für Öffentliche Angelegenheiten in
Bratislava:
„Das war sehr interessant: die gegenseitige Wahrnehmung ist sehr unklar. Ich würde sagen, dass es dort viel Unwissenheit gibt. Aber eine tschechische Persönlichkeit stach hervor, und zwar Václav Havel. Er wurde von einer großen Anzahl Polen, Slowaken und Ungarn genannt. Allerdings konnten viele Ungarn und Polen keinen Namen einer Persönlichkeit aus der tschechischen Geschichte nennen.“
Václav Havel
Wenn man über die Gruppe der Visegrad-Staaten spricht, dann sticht
natürlich das Verhältnis zwischen Tschechien und der Slowakei heraus. Aus
ihrer gemeinsamen Vergangenheit gibt es zahlreiche Persönlichkeiten, die
bei der Bevölkerung noch im Gedächtnis sind. Werden diese Personen in
beiden Ländern heute gleich bewertet?
„Die Präsidenten der Tschechoslowakei, wie zum Beispiel Tomáš Garrigue Masaryk, Edvard Beneš und Václav Havel werden von den Tschechen positiver bewertet als von den Slowaken. Andererseits werden jene Persönlichkeiten, für die sie sich schämen, von den Tschechen negativer als von den Slowaken bewertet. Die Slowaken waren nicht so eindeutig in ihren Positionen.“
Oľga Gyárfášová (Foto: Archiv der Komenský-Universität Bratislava)
In der näheren Vergangenheit haben Polen, die Slowakei, Tschechien und
Ungarn zeitgleich ein wichtiges Ziel erreicht: Den Beitritt zur
Europäischen Union. Auch wenn dieser nicht nur bejubelt wurde, sind die
Meinungen zur EU insgesamt recht positiv. Doch innerhalb der vier Staaten
gebe es Unterschiede:
„Die Polen und die Slowaken sind der EU gegenüber positiver eingestellt, als die Tschechen und die Ungarn. Die überwiegende Zahl der Tschechen und Ungarn sind zwar auch für die EU, aber eben nicht so deutlich, wie die Polen und Slowaken. Ich denke, dass diese EU-Skepsis unterschiedliche Gründe hat: In Ungarn hängt das mit der aktuell pessimistischen ökonomischen Situation zusammen, die auch auf die Haltung gegenüber der EU abfärbt. In Tschechien ist die EU-Skepsis allgemeiner, sie ist teilweise auch in der Politik verankert.“
Einigkeit herrschte bei den Vertretern der verschiedenen Länder darüber, dass der Geschichtsunterricht in den Schulen verbessert werden müsse. Sowohl was die eigene nationale Geschichte angeht, als auch die der Nachbarländer.







