Tagesecho „Keine Geheimnisse“: Was die Prager von der Volkszählung halten

28-03-2011 16:09 | Corinna Anton

Falsche Kommissare, die gutgläubigen Rentnern ihre Ersparnisse rauben, und lange Warteschlagen an den Postschaltern. Kaum war die Volkszählung in Tschechien angelaufen, machte sie auch schon negative Schlagzeilen. Waren es nur Startschwierigkeiten oder ist die statistische Erhebung vollkommen zum Scheitern verurteilt, wie einige Zeitungen schon titelten? Die Volkszählung läuft noch bis 14. April. Radio Prag hat sich erkundigt, wie die Bürger damit umgehen.

Download: MP3

Foto: Europäische KommissionFoto: Europäische Kommission „Was soll ich machen, es ist ja sozusagen verpflichtend. Es bleibt einem ja nichts anderes übrig. Ich werde das Formular wahrscheinlich heute im Internet ausfüllen“, so ein junger Prager in der nicht-repräsentativen Straßenumfrage von Radio Prag. Seit dem 8. März haben rund 13.000 Postmitarbeiter als so genannte Volkszählungskommissare die Fragebögen an alle verteilt, die länger als 90 Tage in Tschechien leben. Denn gezählt werden alle Menschen, Wohnungen und Häuser – anders als in Deutschland, wo beim Zensus 2011 zwei Drittel der Bevölkerung gar nicht direkt befragt werden. Die Teilnehmer unserer Umfrage zeigen zum größten Teil Verständnis dafür, dass in Tschechien jeder einen Bogen ausfüllen muss. Eine Rentnerin meint:

Foto: ČT24Foto: ČT24 „Ich denke, die Volkszählung ist nötig, damit wir wissen, wie viele es von uns hier gibt. Ich habe das Formular schon ausgefüllt. Mein Mann bringt es heute zur Post. Die Fragebögen waren leicht auszufüllen, ich hatte keine Probleme mit den Fragen. Vielleicht bin ich ein bisschen naiv, aber die Angaben, die ermittelt werden, sind ja keine Geheimnisse: Die Adresse steht im Telefonbuch, die Geburtsnummer steht im Ausweis. Ich bin Rentnerin, da muss ich ohnehin nicht so viele Fragen beantworten.“

Die Fragebögen müssen bis 14. April ausgefüllt zurückgegeben werden, und zwar per Post, direkt an den Volkszählungskommissar oder per Internet. Wie dieser Geschäftsmann ziehen die meisten Befragten die dritte Möglichkeit vor:

„Es war in Ordnung. Ich habe den Fragebogen im Internet ausgefüllt. Ein paar Fragen sind vielleicht etwas übertrieben, aber ich habe sie trotzdem beantwortet. ich habe kein Problem damit.“

Die Aufklärungskampagne, mit der das Statistikamt über die Volkszählung informiert hat, scheint bei vielen angekommen zu sein. So sagt dieser jüngere Prager:

StatistikamtStatistikamt „Das ist eine gute Aktion. Es ist nützlich für viele Menschen und Unternehmen, zu wissen, wie viele wir sind. Ich vertraue dem Statistikamt, dass es die persönlichen Daten nicht preisgeben wird. Da mache ich mir keine Sorgen.“

Eine jüngere Frau äußert sich auf die Frage nach möglichem Datenmissbrauch skeptischer:

„Ein bisschen habe ich Angst davor. Wenn die Behörden irgendwelche Angaben brauchen – da haben sie alle Informationen beisammen. Aber wenn ich das Formular nicht ausfülle, dann droht mir eine Geldstrafe, weil die Teilnahme für jeden verpflichtend ist. Also ist es wohl besser, es auszufüllen.“

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